Der Rechtsanwalt Robert Amsterdam weist darauf hin, dass die Durchsetzung eines bestimmten Sprachgebrauchs in der Lage ist, Missstände zu bemänteln. Konkret geht es ihm in einem Artikel der Süddeutschen Zeitung Nr.15 vom 20.01.2010 auf Seite 2 um Angriffe auf die Menschenrechte, die allein durch Verkehrung von Sprachgebräuchen verdeckt würden. Folgendes Zitat, das im Artikel dem Bürgerrechtler Stokley Carmichael zugeschrieben wird, ist mir notierenswert:
“Wir müssen um das Recht kämpfen, Begriffe einzuführen – und darum, dass diese Begriffe akzeptiert werden. Das ist das erste Bedürfnis eines freien Menschen, und das erste, was jeder Unterdrücker ihm verweigert.”
Ich habe schon seit längerem einen Facebook-Account. Nun bin ich an Sylvester motiviert worden, den auch mal zu benutzen. Das geht natürlich nicht an, ohne darüber ein bisschen zu grübeln. Nachfolgenden kurzen Text wollte ich eigentlich gleich als erstes – sozusagen als Opening – auf Facebook posten, wurde aber belehrt, dass mein wohlüberlegter Text 1600 Zeichen lang ist, bei Facebook aber nur 420 Zeichen erlaubt sind. Darum das nachfolgende zu Facebook eben nicht auf Facebook: mehr »
In ihrem Buch “No Economy: Wie der Gratiswahn das Internet zerstört” bricht Gisela Schmalz mit der Begeisterung für die Kostenlosigkeit von Gütern und Leistungen im Web. Ausführlich legt sie die Treiber des Status Quo dar und warnt davor, die Entwicklung des Internets als Raum neuer wirtschaftlicher Möglichkeiten zu verspielen. Ihre Kritik richtet sich einerseits gegen die Subvention digitaler Güter durch Staat, Stiftungen, Risikokapitalgeber und Werbekunden, andererseits gegen einen vermeintlichen Gratiswahn der Nutzer. Vor dem Hintergrund einer Analyse verschiedener ökononomischer Modelle plädiert sie für eine selbsttragende wirtschaftliche Entwicklung des Internets ohne Subventionen – für ein “Yes Economy”. Im folgenden resümiere ich ihre Kritik an die Adresse der Webunternehmer und Risikokapitalgeber, schlage jedoch eine mir sinnvoll erscheinende Relativierung der Kritik an den Nutzern auf der Grundlage der Theorie kollektiven Handelns vor. Zur Unterstützung des Plädoyers für nutzergetriebene Mikromärkte scheint mir zudem die Ergänzung angebracht, auf nutzerseitige Wertschöpfungsketten zu fokussieren. mehr »
Wer bislang mit Erfolg ein vtiger-CRM Version 5.0.4 auf angemietetem Speicherplatz im Internet betrieben hat, in dem kommt derzeit der Wunsch auf, zur neuen Version 5.1.0 zu wechseln. Denn die verspricht verbesserte Kompatibilität zu Desktop- und Onlineanwendungen sowie größere Dynamik bei der Entwicklung neuer Erweiterungen dank neuer Schnittstellen. In der Installationsroutine ist die Migration von 5.0.4 auf 5.1.0 werksseitig vorgesehen. Das Standardverfahren wird auf den Seiten von vtiger.com minutiös beschrieben. Scheitert dies aber, weil man den Pfad der vorhandenen Installation nicht korrekt anzugeben weiß, kommt die Migration mittels der derzeitigen Installationsroutine erstmal ins stocken. Im folgenden meine Lösung. mehr »
Meine Wahrnehmung ist derzeit sehr von meiner Lektüre zu Identität und Institutionen geprägt. Diese Lektüre ist motiviert durch meine Vermutung, es existiere so etwas wie eine übertriebene Mäßigung oder Lähmung individueller wie auch gesellschaftlicher Kreativität, oder zumindest so etwas wie eine Mäßigung des Handelns im Allgemeinen, die durch die Institutionen bedingt ist. Denn Institutionen sind Standardisierungen bestimmter Handlungen, die unter anderem auch der Mäßigung der mit Kreativität verbundenen Unruhe dienen. Problematisch wird es meiner Ansicht nach, wenn ein Punkt überschritten wird, von dem an die erwünschte Mäßigung in eine unerwünschte Lähmung umschlägt, weil die mäßigende Wirkung der Institution in Folge ihrer Überhöhung überhand nimmt. mehr »
Will man durch die Auseinandersetzung mit Jean-Claude Kaufmanns Theorie der Identität (siehe hier und hier) zu einem kreativen Umgang mit Identität gelangen, erscheint es erforderlich, sich genauer mit dem Institutionenbegriff zu befassen. Der Begriff Institution zieht sich wie ein roter Faden durch Kaufmanns Text, wird aber eigentümlicherweise kaum erklärt. Kaufmann setzt bei seinem Leser voraus zu wissen, was Institutionen sind. mehr »
Der folgende Beitrag ist die zweite Lieferung meiner Erörterung des Buchs “Die Erfindung des Ich: Eine Theorie der Identität“von Jean-Claude Kaufmann, in der ich Kaufmanns Argumentation zusammenfasse und bezogen auf einige mir interessant erscheinende Themenbereiche diskutiere. Im folgenden werde ich kurz meine erste Lieferung zusammenfassen, um mich dann ausführlich Kaufmanns drittem Teil zu widmen. Kaufmann überträgt hierin seine Überlegungen zum Identitätsprozess auf die Gesellschaft, auf ihre Milieus und Phänomene. Unter der Überschrift des klassischen Dreiklangs „Voice, Exit and Loyality“ seziert Kaufmann individuelle und kollektive Verhaltensmuster, die quer durch alle Schichten in unterschiedlicher Form und Ausprägung zu Tage treten. mehr »
Anna-Maria Müller schreibt in Ihrem Blog über die Konjunktur der “Motivationsschreiben” im Hinblick auf Bewerbungsverfahren für Masterstudiengänge und bei anderen Gelegenheiten.
“ständig wollen Menschen ein Motivationsschreiben von mir. [...] Mittlerweile verdiene ich mein Geld mit Textarbeit und unterstütze allerlei Freunde & Bekannte, aber auch AuftraggeberInnen bei den eigentümlichen Worten zur Selbstlobpreisung. Gerade ist wieder Bewerbungsfrist für die Masterstudiengänge zum kommenden Wintersemester – dementsprechend hatte ich in letzter Zeit wieder mehrere Exemplare zur semi‑öffentlichen Selbstbeweihräucherung auf dem Schreibtisch bzw. in der Mailbox. Und, ja, es ist ein elender Prozess. Besonders, wenn man den Schrieb selbst aufsetzt [...] Im schlimmsten Fall bringt einen das [...] gar in Selbstzweifel und Nöte, zu denen ohne diese Schikane durch Lebenswegentscheider gar kein Anlass bestünde…”
Mein flux hingeworfener Kommentar wurde von ihrem Blog unsanft abgeschnitten. Hier nochmal das Textlein in voller Länge. Was ich also sagen wollte: mehr »
Vergangene Woche plädierte der Verwaltungswissenschaftler Wolfgang Seibel für die Chancen des Bologna Prozesses, der lediglich von den Hochschulen und insbesondere von den Professoren falsch umgesetzt würde. Spätestens als Seibel am Ende seines Artikels die “Die-Besten-gehen-ins-Ausland”-Karte spielte, war es Zeit, ihn nicht mehr ernst zu nehmen. Wen interessieren “die Besten”, wenn man auch in Zukunft in einer friedlichen Gesellschaft möglichst vieler intelligenter und durchschnittlich wohlhabendender Menschen leben will? Dankenswerterweise liest man heute unter der Überschrift “Im Interesse der Studierenden?” eine Erwiderung eines Literaturwissenschaftlers. Robert Stockhammer weist den Kollegen aus der Verwaltungswissenschaft darauf hin, dass die BA/MA-Reform vor allem die Macht der Universitätsverwaltung gestärkt habe, was der Ausgestaltung der Studiengänge durch Professoren enge Grenzen setze. mehr »
FRÜHER, da konnten [...] Wochenschaukameramänner noch eine ganze Story auf einer 3 Minuten-Rolle drehen und HEUTE häufen sich bei den Anmeldungen an einschlägigen Medienhochschulen klischeehafte trailerisierte Remakes gängigen Main-Streams, meist lang und langweilig. Von einem bemerkenswerten künstlerischen Aufbruch ist nach Meinung der erfahrenen Filmemacher jedenfalls kaum eine Spur zu finden. Schon lange vor der digitalen Zeit schrieb Robert Bresson in seinen „Noten zum Kinematographen“: “Mit der Zunahme meiner Mittel nimmt meine Fähigkeit ab, mich ihrer zu bedienen”. Dass gelte erst recht für HEUTE [...] Die unbegrenzte Verfügbarkeit von Material und Synchronton geht offensichtlich zu Lasten des „Storytellings“. Masse statt Klasse, eine “Irgendwas-wird-wohl-drauf-sein” Haltung, statt Entwicklung visueller und inhaltlicher Ideen.
In diesem Beitrag will ich kurz ein paar Fundstellen notieren, die ich nach dem erneuten Lesen in dem Blog Amy’s Welt von Anna-Maria Müller in Erinnerung behalten und zu meinen Überlegungen in Beziehung setzen möchte. Nachdem ich nun in Amy’s Welt immer mehr interessante Gedanken und Hinweise finde, muss es einfach raus: Ich bin beeindruckt! Ich denke, zu einem treuen Leser zu werden. mehr »
Thomas Steinfeld greift im SZ-Feuilleton vom 15.06.2009 den Wahlerfolg der Piraten-Partei auf, die bei den EU-Parlamentswahlen 7,1% der Stimmen in Schweden bekommen hat. Angesichts eines Trends zur Kostenlosigkeit wertvoller Informationen, der scheinbar von den Piraten und privatwirtschaftlich subventionierten Stiftungen verkörpert wird, macht sich Steinfeld Sorgen um die ökonomische Lebensfähigkeit einer Öffentlichkeit, die von Zeitungen und Informationsproduzenten organisiert wird, die durch das Urheberrecht geschützt sind. Steinfelds Artikel verweist aber noch auf einen anderen Aspekt: Auf den Gegensatz zwischen dem Prinzip der Exklusion, welches die etablierten Institutionen der räsonierenden Öffentlichkeit konstituiert, und dem Prinzip der Inklusion, welches sich in einer Öffentlichkeit ausbreitet, die durch das Internet geprägt ist. Ich denke, dass sich erst hieraus ein Antwort auf Steinfelds Frage ergibt, was das Neue jenseits der bloßen Ablehnung des Althergebrachten sein könnte.
Seit Jahren läuft eine begeisterte Diskussion, bei der dem Web aufgrund seiner gelungenen Öffnung für nutzergenerierte Inhalte als kostenloser Ressource sozialrevolutionäres Potential zugeschrieben wird. Häufig fällt das Stichwort „Web 2.0“. Die Begeisterung für Dienste und Informationen als kollektive Güter geht aber auch mit handfesten ökonomischen Interessen einher. Gerade Medienunternehmen sind an preiswerten Ressourcen interessiert. Zwar herrscht auch hier Begeisterung für neue Möglichkeiten der Teilhabe, doch beim Geld hört die Freundschaft plötzlich auf. Warum? Im folgenden Rezensionsessay gehe ich dieser Frage nach. Dreh- und Angelpunkt ist dabei „User generated content“ (UCG), den Medienunternehmen als Erlösquelle zu schätzen lernen. Eine entsprechende Erörterung dieses Ansatzes findet sich in der Diplomarbeit von Philipp Sebastian Rogge, die im Juni 2007 als Arbeitspapier des Instituts für Rundfunkökonomie an der Universität zu Köln unter dem Titel “Nutzergenerierte Inhalte als Erlösquelle für Medienunternehmen“[1] publiziert worden ist. Ich versuche zu zeigen, inwiefern dieser Ansatz bestehende Marktstrukturen konserviert, das Nachdenken über mögliche Erlösquellen im Zusammenhang mit Informationsgütern auf Werbung reduziert und die Produktion von Informationen als entgeltlichem Wertschöpfungsprozess außer Acht gelassen wird. Enthusiasten, Sozialrevolutionäre und Medienwirte vereint dabei, dass es an Ideen mangelt, wo und in welchen Kontexten Information Nutzen stiftet und ihr (pekuniärer) Wert ermittelt werden kann.
Dieses Bild entstand bei einer Rast auf dem Weg von Frankfurt nach Nierstein nahe Walldorf am Grundbach. Die Idylle trügt ein wenig, denn alle drei Minuten erheben sich aus dem Wald hinter der Wiese in ca. 1000 m Entfernung zweistrahlige Verkehrsmaschinen von der Startbahn West des Frankfurter Flughafens. Wer kein Verständnis für Menschen hat, die dem Ausbau eines Flughafens skeptisch gegenüber stehen, dem empfehle ich wärmstens Radtouren im Raum Frankfurt – ganz gleich wo man hinfährt.
Johan Schloemann weist in der SZ vom 3. Juni 2009 auf drei Autoren hin, die dem Wiki-Prinzip den Ritterschlag erteilen: David Runicman, lehrender Politologe aus Cambrigde und “Großneffe von Runciman, dem berühmten Historiker”, der im London Review of Books sein Rezensionsessay über “The Wikipedia Revolution” von Andrew Lih veröffentlicht hat. Und Cass R. Sunstein, “Kollege des späteren US-Präsidenten [Obama] an der Chicago Law School”, mit einem eigenen, sogar schon auf Deutsch übersetzem Buch “Infotopia. Wie viele Köpfe Wissen produzieren.” All diese Autoren bejahen die Frage, ob Wikipedia funktioniert, und leiten zu der Frage über, warum. Zumindest tun sie dies nun auch für die Zielgruppe all jener wie “Lehrer in Schule und Universität”, die davon noch aus der SZ erfahren müssen. mehr »
Aus dem Interview mit dem früheren Leistungssportler und Schriftsteller Olov Enquist im Interview in der Süddeutschen Zeitung vom 30/31.5.2009, S.V2/8:
Herr Enquist, in Ihrem Buch “Ein anderes Leben” bezeichnen Sie sich als “Betonmonument an Nettigkeit”. [...] Ist nett sein eine Schwäche?
Es ist bestimmt eine Schwäche. Und ich habe lange daran gearbeitet. Um stark und unnett zu werden?
Wenn man nett ist, ist man zu nachgiebig, widersetzt sich nicht und sagt immer zu allem ja. Ich habe mühsam gelernt, nein zu sagen. Man muss sein Ich und seine Ideen verteidigen.