Zum Konkurrenzproblem beim internetgestützten Dauerpublizieren
14. Juli 2008 | Rubrik: Vermischtes | Tags: Schreiben, Universität, Vertrauen | 709 mal gelesen
Meine Auseinandersetzung mit dem Manifest der Hardbloggingscientists hat mir ein Kommentar von Christian Spannagel beschert. Das freut mich sehr, denn es lässt mich hoffen, dass dieses “Bloggen” hier mittelfristig Sinn macht. Christian plädiert für den “öffentlichen Wissenschaftler“. Allerdings sehe ich weiterhin das Problem, Ideen preiszugeben und stelle deshalb die Frage, warum ich darauf vertrauen können soll, mir mit der Preisgabe von Ideen nicht zu schaden. Wohlgemerkt: Preisgabe von Erkenntnissen und erarbeiteten Fragmenten gerne, Preisgabe von Ideen und Konzepten lieber nicht!
Christian verweist in seinem Blog auf einen themenverwandten Beitrag von Marc Scheloske. Es ist interessant zu lesen, dass auch ihm meine Sorge bekannt ist:
Wissenswerkstatt | Weshalb dem “öffentlichen Wissenschaftler” die Zukunft gehört » Ermutigungen zum bloggenden Wissenschaftsdialog
Und wenn andere diese Anregungen aufgreifen? Bitteschön, sollen Sie doch erstmal was Anständiges daraus machen und wer sagt, daß ich nicht selbst von der (Weiter-)Arbeit der Kollegen profitiere? Vielleicht ergibt sich die Möglichkeit zur Kooperation?
Soll das heißen, dass ich auf eine gewisse Trägheit des anonymen gegenübers vertrauen soll? Die Haltung “work hard, play hard” ist ja nicht gerade neu. Dennoch denke ich, dass man abwägen muss, welche Ideen so bedeutend sind, dass man sie wenigstens für eine gewisse Zeit besser für sich behält und über welche Ideen man gefahrlos plaudern kann. Ich denke, es gibt Momente, in denen es berechtigt ist, sich von der Sorge zu entlasten, andere könnten “was Anständiges daraus machen”, während man selbst nicht zu Potte kommt.
In Anbetracht dieses Themas ist mir heute morgen noch ein ganz anderer Verdacht gekommen. Nehmen wir an, dass vor allem das Wissen um bestimmte Zusammenhänge wertvoll ist, um damit später einmal Geld zu verdienen oder sich wenigstens profilieren zu können, und das man dieses Wissen um Zusammenhänge oder wenigstens die Ahnung um solche Zusammenhänge als Ideen bezeichnet, dann könnte es ja sein, dass hier ein Schlüssel zu einem Phänomen liegt, das ich an der Universität beobachtet habe: Leute an der Uni reden nach meinem Empfinden nur sehr wenig über Zusammenhäng, die sie selbst entdeckt haben.
Klicken Sie hier, um diesen Artikel weiter zu empfehlen:
[...] Juli 14, 2008 von cspannagel Der Dieckmann diskutiert gerade in seinem Weblog die Frage, ob man als öffentlicher Wissenschaftler seine Ideen [...]
Ich denke, die von Christian auf seinen Seiten formulierte Postion (siehe Link des oben stehenden Trackbacks) ist annehmbar: ein öffentlicher Wissenschaftler muss nicht jede Idee veröffentlichen. Die Tätigkeit des öffentlichen Wissenschaftlers bietet jedoch genügend Aspekte, über die er schreiben könnte – beispielsweise Kommentare zu gelesenen Fachartikeln, die dann in eine Diskussion einmünden. Den hier entstandenen Dialog zwischen Christians und meinem Weblog nehme ich nun als Beweis und Bestätigung seines Plädoyers für den öffentlichen Wissenschaftler.