Dank Bologna ist Zeit nun Luxus. Notiz zur Bologna-Diskussion zwischen Wolfgang Seibel und Robert Stockhammer

Vergangene Woche plädierte der Verwaltungswissenschaftler Wolfgang Seibel für die Chancen des Bologna Prozesses, der lediglich von den Hochschulen und insbesondere von den Professoren falsch umgesetzt würde. Spätestens als Seibel am Ende seines Artikels die “Die-Besten-gehen-ins-Ausland”-Karte spielte, war es Zeit, ihn nicht mehr ernst zu nehmen. Wen interessieren “die Besten”, wenn man auch in Zukunft in einer friedlichen Gesellschaft möglichst vieler intelligenter und durchschnittlich wohlhabendender Menschen leben will? Dankenswerterweise liest man heute unter der Überschrift “Im Interesse der Studierenden?” eine Erwiderung eines Literaturwissenschaftlers. Robert Stockhammer weist den Kollegen aus der Verwaltungswissenschaft darauf hin, dass die BA/MA-Reform vor allem die Macht der Universitätsverwaltung gestärkt habe, was der  Ausgestaltung der Studiengänge durch Professoren enge Grenzen setze. mehr »

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Wozu Zeitung? Eine ratlose Elite auf der Suche.

Wozu Zeitung?“ titelt die Beilage der Süddeutschen Zeitung am 8.5.2009. Wieder einmal ist eine Elite ratlos: Diesmal die der so genannten „Presse“, also der werbefinanzierte Teil der Informationswirtschaft, deren Produkte sich an wenig differenzierte Massenpublika statt an Nischenpublika richten. Sie weiß nicht, wie sie ihr Geschäftsmodell, das namensgebend auf Druckerpressen und physischen Papierdistributionssytemen beruht, in eine Informationsgesellschaft hinüberretten soll, die sich durch das Internet verändert. mehr »

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Finanzkrise und Co: Auch eine Vertrauenskrise des Eliten-Begriffs in der leistungsbereiten Mittelschicht ?

Zu den elitären Arbeitgebern, für deren Aufgaben sich Schüler und Studierende vorbereiten, die von Julia Friedrich für ihr Buch “Gestatten: Elite” an ihren Bildungsstätten besucht wurden, zählen unter anderem Investmenbanker und Unternehmensberater. Angesichts der Finanz- und drohenden Wirtschaftskrise erscheint es vor dem Hintergrund Friedrichs Buchs interessant die Frage anzuregen, wie diese von Friedrich besuchte Elite angesichts der Krise mit ihrer Diskreditierung in diesen Bereichen umgeht. mehr »

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Notizen zu Julia Friedrichs „Gestatten: Elite. Auf den Spuren der Mächtigen von morgen.“ Hamburg 2008

Friedrich erzählt von ihren Recherchereisen zum Thema Elite. Das Konzept des Buchs scheint darin zu bestehen, erstens die nivellierte Mittelstandsgesellschaft als eine persönlich erfahrbare Errungenschaft fühlbar zu machen, um dann zweitens die neue Angst dieses Mittelstands vor einer neuerlichen Spaltung der Gesellschaft als einer real stattfindenden Entwicklung zu nutzen, indem sie drittens die neu entstehenden und entstandenen Infrastrukturen besucht. Glaubwürdigkeit und Symphatie gewinnt Friedrich durch das Bemühen um Augenhöhe mit dem Leser aus eben jenen Kreisen der nivellierten Mittelstandsgesellschaft, indem Friedrich das Erlebte im Gegensatz zu ihrer eigenen Geschichte, der Geschichte ihrer Familie und den Geschichten ihrer Freunde und Kommilitonen erzählt. mehr »

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Der elitäre Sündenfall. Mitterles Replik auf meine Idee zur Vergesellschaftung von Universitätsangehörigen

Alexander Mitterle hat am 25.03.2008 mit seinem Essay “Unvernommene Studierende” auf meine Geschichte eines studentischen Forums und meiner damit verbundenen Überlegungen geantwortet. Mitterle erkennt, dass ich darum bemüht bin, “neu zu denken, was ein universitäres Studium auszeichnet.” Er konstatiert, dass ich ein dem Humboldtschen ähnliches Bildungsideal mit dem ökonomischen Moment des Alumniwesens verknüpfe und er stellt vor dem Hintergrund seiner eigenen Forschung über Hochschulforschung und Bildungspolitik den von mir kritisierten “elitären Sündenfall” der Universität auf eine Weise dar, wie es mir nicht möglich gewesen wäre. Meine Argumentation reformulierend beschreibt Mitterle, dass die “academia”, die akademische Elite der deutschen Universität, unter Umständen aufgrund der Logik der Verteilung symbolischer und ökonomischer Ressourcen nicht in der Lage ist oder nicht Willens ist, Studierende als vollwertige Angehörige der Universität zu integrieren, infolge dessen es zu einer allein organisatorisch bedingten Anonymität der “Massenuniversität” kommt. Studierende blieben “unvernommen” und  als Ressource unerkannt. Genau  genommen ist aber Masse nicht Problem, sondern Chance.  Der “mündige Student” müsse angesichts der “unerschöpflichen Ressource an potentiellen Gesprächspartnern” erkennen: “Ich bin nicht anonym und schon gar nicht Masse.” Mitterle entwickelt meinen Ansatz hier nun weiter, wobei er für die Universität Leipzig als einen besonderen Ort Handlungsüberlegungen entwirft, die auch für andere Universitätsstädte zutreffen dürften.

Mitterle, Alexander: Unvernommene Studierende. In. Powimag. Magazin für Politikwissenschaft. 25.03.2009, http://www.powimag.de/wp/?p=198

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Der Campus Westend als Bühne der Erziehung des neuen Menschen*

Der neue Campus Westend der Johann-Wolfgang-Goethe-Universität in Frankfurt am Main bietet das Zeug zu einem düsteren Roman. Schon das IG-Farben-Haus wurde als ein “eisernes und steinernes Sinnbild deutscher kaufmännischer und wissenschaftlicher Arbeitskraft“ entworfen. Unverkennbar schließen die neuen Universitätsgebäude auf dem im Neubau befindlichen Campus Westend architektonisch an dessen monumentale Ausstrahlung an, so auch die Blöcke der Rechts- und Wirtschaftswissenschaften. Die Leere und Weitläufigkeit des Campus trägt diesem Konzept zusätzlich Rechnung. Hie und da stehen Hinweisschilder, die zu Veranstaltungen leiten mit Titeln wie “Leading to Excellence”. Hier im Rahmen einer Fiktion Parallelen zu Motiven totalitärer Gesellschaftsvorstellungen der 30er und 40er Jahre zu ziehen ist leicht. mehr »

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“Elite” und “Karriere” als Fiktion des Personalmarketings und Geschäftsfeld der Medienwirtschaft

Karriere-Magazine beschäftigen mich schon seit Beginn meines Studiums. Als ich im Jahr 2000 daran arbeitete den Mut aufzubringen, mein erstes Studium abzubrechen, habe ich mir eines dieser Karriere-Magazine aufgehoben (1). Noch heute zeige ich Freunden gerne dieses Heft, weil es ein zeitloses Dokument einer fiktiven Erfolgsgesellschaft ist. Die Wirklichkeit sieht anders aus, wie nicht nur die persönliche Erfahrung zeigt, sondern auch die Sozialstudien des Studentenwerks. Seither interessiert mich, wie es zu dieser unheilvollen Fixierung auf bestimmte Lebensmuster kommt, die einem auf allen möglichen Kommunikationskanälen nahe gelegt werden und die angeblich mit “Karriere” zu tun haben. Die Antwort liegt im Bereich der Verbindung von Marketing-, Personal- und Medienwirtschaft. mehr »

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Notizen zu Thomas Leifs Buch “Beraten und verkauft. McKinsey & Co. – der große Bluff der Unternehmensberater”

Auf die Fährte von Thomas Leifs Buch “Beraten und verkauft” bin ich bei der Lektüre einer Kritik des Hamburger Programms der SPD gestoßen. Genau genommen: Durch die Lektüre der Kritik zum Programm im Hessenreport Nr.40 – dem Informationsorgan der SPD in deren Bezirk Hessen-Süd. Denn darin äußert sich der Vorsitzende der Grundsatzprogrammkommission der SPD Hessen-Süd, Harald Lührmann (a). Ein Unternehmensberater. Weil ich Lührmanns Artikel im Hessenreport ausgezeichnet finde, will ich mehr über Lührmann erfahren. Dabei stoße ich im Internet auf Leifs Buch, in dem Lührmann im Interview Auskunft über seine Branche gibt (b). Lührmann berät u.a. Versorgungsunternehmen und scheint von den Erfahrungen zu zehren, die er als Kämmerer der Stadt Gießen und als Vorstandsvorsitzender der Kasseler Versorgungs- und Verkehrsbetriebe gesammelt hat (c). Gerade auf diesem Wege auf Leifs Buch aufmerksam geworden zu sein, ist nicht ohne Ironie. Denn Leif kritisiert insbesondere die Rolle von Beratern im Bereich der öffentlichen Hand und der Politik.

Berater: “Wetterleuchten für die Krise der Gesellschaft”

Leifs Buch ist für mich eine Entdeckung, weil Leif die Branche der Unternehmens- und Politikberater auf wohltuende Weise hinterfragt. Die Süddeutsche Zeitung bezeichnet es treffend als eine “Abrechnung mit der Beraterbranche” (Klappentext). Leif kritisiert die breite gesellschaftliche Wirkung einer Branche, die agiert, ohne durch die allgemeine Öffentlichkeit kontrolliert werden zu können, und die ihre Ideologie und wirtschaftswissenschaftlich standardisierten Verhaltensmuster (1) in Serie verkauft, wobei es in vielen Fällen allein um die Legitimation weit reichender Entscheidungen in Politik und Wirtschaft geht – mit gesellschaftlich zweifelhafter Wirkung und bei gleichzeitiger Verwässerung der Zurechenbarkeit von Verantwortung in Form eines “Schattenmanagements”. Zu den Marketinginstrumenten der Berater zählen hierbei bürgerliche Distinktion in Verhalten, Auftreten und Dresscode, insbesondere aber Rekrutierungsverfahren und die in Stellenanzeigen und redaktionellen Beiträgen von Zeitungen und Zeitschriften postulierte Definition des Elitären. Mit ihrer Hilfe konstruieren die Berater den unüberprüfbaren Nimbus des Expertentums, dessen vorgebliche Wahrhaftigkeit dann die Legitimität ihres Denkens und Handelns suggeriert.

Berater – “Götter, Helden und Dämonen einer Erfolgsgesellschaft”

Leif beschreibt im ersten Teil seines Buchs den Beratermarkt der Unternehmensberater, im zweiten das Verhältnis von Beratern, Politik und öffentlicher Hand. Im dritten Teil berichtet er über Fallbeispiele der Reform von staatlichen Einrichtungen mit Hilfe von Beratern, darunter die Bundeswehr, die Bundesagentur für Arbeit und die Hartz IV-Reformen. Im ersten Teil finde ich vor allem Leifs einführende Analyse der Branche interessant (2), der er detaillierte Beschreibungen von McKinsey, Roland Berger und der Boston Consulting Group hinzufügt – vermischt mit einigen Interviews, darunter dem Lührmanns. Themen, die in diesem ersten Teil besonders verfangen, sind die Konstruktionsweise üblicher Beratungsprodukte (3), die mangelnde sprachliche Präzision der Berater (4), die in und von Beratungsunternehmen praktizierte Misstrauenskultur (5), die Mechanismen zur Schaffung immer neuen Beratungsbedarfs in Form einer Mischung aus Kontaktpflege, der Inszenierung von Innovations- und Anpassungszwängen sowie dem Schüren von Ängsten (6) sowie die Konstruktion des Leistungsversprechens der Unternehmensberatungen mittels einer beispiellos aufwendigen Öffentlichkeitsarbeit und ihrem ebenso aufwendigen Personalmarketing (7). Gerade Leifs Zusammenschau der Stilblüten des Personalmarketings dürften Balsam für die Seelen aller sein, denen die überbordende Leistungs-, Elite- und Karriereorientierung der Universitäten und Karriereblättchen auf den Geist geht. Zum einen in Form des kritischen Erfahrungsberichts von Julia Friedrichs über das von ihr erlebte Recruiting bei McKinsey. Zum anderen in Form der Hinweise Leifs, dass ein nicht unerheblicher Teil redaktioneller Beiträge in Zeitungen und Zeitschriften – gerade wenn sie Unternehmensberatungen betreffen – von diesen selbst im Zuge ihrer Öffentlichkeitsarbeit produziert oder in Auftrag gegeben worden sind (8).

Politik mit den Mitteln der PR: “Rezipienten [...] Informationen zur Einordnung der Berichterstattung vorenthalten”

Im zweiten Teil, der auf die Beratung der öffentlichen Hand und der Politik fokussiert, seziert Leif anhand von Fallbeispielen Ungereimtheiten, mangelnde Qualität und personelle Verquickungen, die nicht zuletzt auch den Bundesrechnungshof auf den Plan gerufen haben. Im Fokus stehen hier Themen wie korrupte Praktiken der Auftragsvergabe, Mängel der Leistungserstellung und Leistungskontrolle, unmittelbare politische Einflussnahme und so weiter. Daran schließt Leif eine Beschreibung der Rolle von Beratern im Bereich der Politikberatung, des Politikmanagements (9) und der Nähe von Medien und Politikberatung an (10). Die Beschreibung der Politikberatung finde ich besonders interessant, denn Leif bietet hier eine Skizze des Marktes für Dienstleistungen auf dem Feld der partikularen Interessenvertretung und den hier agierenden Anbietern in Berlin (11). Zudem thematisiert er hier das medienwirtschaftlich induzierte Verschwinden investigativen Journalismus zugunsten einer Verschmelzung der Distributionsapparate der Medienhäuser mit den sie kostenlos mit Presseartikeln beliefernden Öffentlichkeitsabteilungen der Interessenvertreter (12). Wie partikulare Interessen in dem so bereiteten Feld agieren, zeigt Leif dann anhand einer ganzen Reihe politischer PR-Kampagnen wie „Deutschland packt’s an“, „BürgerKonvent“, „Konvent für Deutschland“, „Marke Deutschland“, „Du bist Deutschland“ oder „Aktionsgemeinschaft Deutschland“, deren prominentester Vertreter die „Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM)“ ist. Am Beispiel der letzteren geht Leif ins Detail.

Zur Ehrenrettung der Berater

An dieser Stelle möchte ich betonen, dass mir weder die eingangs erwähnten flankierenden Bemerkungen Harald Lührmanns zum Hamburger Programm der SPD, noch sein Interview in Leifs Buch Grund zur Sorge geben. Bezogen auf diese Texte kann ich sagen: Im Gegenteil. Aber mein Wunsch, deshalb auf Lührmann Rücksicht zu nehmen, gemahnt mich, in Lührmann erkennen zu wollen, was zur Ehrenrettung von Unternehmensberatern gesagt werden sollte und dies am Ende als Kommentar zu Leifs Buch zu Bedenken zu geben, wobei ich wiederum Leif keineswegs widersprechen möchte.

Wenn – wie am Beispiel Lührmanns zu sehen – ein ehemaliger Mitarbeiter öffentlicher Institutionen heute sein Geld mit Beratung in diesen und ähnlichen Bereichen verdient und er zugleich in ehrenamtlicher Funktion politische Prozesse anleitet und mitgestaltet, so deutet dies auf die Existenz eines Wissens- und Erfahrungsschatz hin, den als Ressource zu nutzen naheliegend und sowohl aus dem Blickwinkel des betreffenden Individuums als auch gesellschaftlich sinnvoll ist.

Ich denke also, dass Leifs Kritik der Beraterbranche zwar in jeder Hinsicht notwendig und berechtigt ist, dass man aber zu harsch urteilte, wenn man darauf hin die gesamte Branche der Berater verdammte, statt sie unter eine dringend notwendige und von Leif im Grunde geforderte Beobachtung zu stellen. Denn das Prinzip der Beratung auf der Basis eines Wissens- und Erfahrungsvorsprungs ist, wie mir gerade Lührmann zeigt, im Grunde legitim und sinnvoll. Kritiken investigativer Journalisten wie die Thomas Leifs muss man deshalb als notwendige Korrekturen verstehen, statt sie sich zur Begründung einer Fundamentalopposition gegen diese oder jene zurecht zu legen. Entsprechende Hinweise gibt auch Leif, wenn er auf die vom Bundesrechnungshof vorgeschlagenen “Zwanzig Schritte für den sinnvollen Einsatz von externen Beratern” hinweist. (13)

Nachtrag vom 17.10.2008

Thomas Bartsch berichtet am 20.11.2006, dass Teile Leifs Buch von Werner Rügemeier stammen sollen, woraus sich ein Rechtsstreit ergeben hat. Weiter weist Bartsch auf einen blinden Fleck hin, weil Leif die Politikberatung durch die Bertelsmann-Stiftung unberührt gelassen hat. Interessant daran ist, dass Leifs Buch von Bertelsmann verlegt worden ist.


Thomas Leif: Beraten und verkauft. McKinsey & Co. – der große Bluff der Unternehmensberater. 1. Aufl, akt. u. erweit. Taschenbuchaufl. München (Goldmann) 2008 (zuerst: Bertelsmann Verlag, 2006)
(a) Lührmann, Harald: Die Partei und das Grundsatzprogramm. In: HessenReport. Informationsorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschalnds Bezirk Hessen-Süd. Juli 2007, S.5-17
(b) “Der Bluff-Anteil lieft vielleicht bei dreißig Prozent”. Interview mit Dr. Harald Lührmann, Ex-Berater bei Accenture. In: Leif 2008, S.245-269
(c) siehe Lührmann 2007, S.17

(1) siehe z.B. Leif 2008, S.23; 47ff u.a.
(2) Leif 2008, S.31-63
(3) z.B. Leif 2008,S.47ff
(4) z.B. Leif 2008,S.57ff
(5) z.B. Leif 2008,S.59ff
(6) z.B. Leif 2008,S.31f,43ff, 60ff
(7) siehe Leif 2008, S.49f
(8) siehe hierzu “bestellte Wahrheiten dominieren die Berichterstattung”, Leif 2008, S.61f; wobei der hier skizzierte Mechanismus auf S.334ff näher beschrieben wird.
(9) Leif 2008, S.320ff
(10) Leif 2008, S.346ff
(11) siehe Leif 2008, S.323ff und z.B. Leifs Verweis auf Falk, Svenja: Der Beratungsmarkt auf der Bundesebene. 2004
(12) vgl. siehe Leif 2008, S.326ff; siehe hierzu wiederum “bestellte Wahrheiten dominieren die Berichterstattung”, Leif 2008, S.61f; vgl. zur Politik der Verlage z.B. Schumacher, Hajo: Die ewig netten Herren. In: Leif/Speth (Hg.): Die fünfte Gewalt. Lobbyismus in Deutschland. Bonn (BpB) 2006, S.80
(13) Leif 2008, S.294ff

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Elite als Legitimationskonzept

Der Begriff “Elite” erscheint mir als ein Konzept zur Legitimation der vor allem durch finanzielles, kulturelles und soziales Kapital geschaffenen Unterschiede. Es legitimiert eine Enlastung von der gesellschaftlichen Notwendigkeit, sich über Massnahmen zur nachholenden Integration weniger mit Vorteilen ausgestatter Mitmenschen Gedanken zu machen, indem die vorgefundenen Statusunterschiede als gegeben hingenommen werden. Die Hinnahme der Unterschiede wird begründet, in dem die Statusunterschiede als fruchtbar, gesellschaftlich gut und gesellschaftlich funktional interpretiert werden. Elite erscheint so nicht als gesellschaftlich bedingt, sondern als ahistorischer Fakt mit gesellschaftlicher Funktion und Notwendikgkeit.

Im Rahmen der Legitimation wird Elite als Konzept zur Rettung des Gemeinwohls interpretiert, d.h., Elite rückt in den Bereich des gesellschaftlich notwendigen auf. Damit werden zugleich auch Instrumente der Schaffung von Eliten legitmiert und es werden ebenso Instrumente legitimiert, die die Exklusivität von Eliten wahren und also Exklusivität stiften. Eliten werden also durch Zugangskontrollen konstiuiert, die dem Gedanken der Offenheit für jedermann und der Liberalität im Grunde widersprechen.

Die Zugangskontrollen sind vor allem solche des Zugangs zur Bildung. An die Stelle des Gedankens der Förderung der Invidiuuen im allgemeinen und ihrer jeweiligen Kompetenzen im besonderen tritt der Glaube an den besonderen Einzelnen und insbesondere dessen Seltenheit – mit dem Effekt des Hochmuts der Erwählten und der Frustration der Vielen.

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