Wie der Automobilbau in Folge seiner Pfadabhängigkeit den energiewirtschaftlichen Paradigmenwechsel verschläft

Je mehr ich mich mit Erneuerbaren Energien und dem ganzen Thema Energie einschließlich der Entwicklungen auf dem Weltmarkt für Energie befasse, desto mehr erstaunt mich der Automobilbau – nicht nur der Deutsche. Ähnlich wie die konventionelle Energiewirtschaft mit ihren etablierten Wertschöpfungsketten und daran hängenden Investitionen sitzt auch der Automobilbau ganz offensichtlich den Pfadabhängigkeiten seiner Wertschöpfungsketten auf, mit der Folge, ein fatales Desinteresse am bevorstehenden energiewirtschaftlichen Paradigmenwechsel an den Tag zu legen. Spätestens wer den Film “Zukunft Elektroauto – Die ‘leise’ Revolution deutscher Autobauer” von Hans Koberstein und Joe Sperling gesehen hat, dem wird dämmern, dass hier womöglich tatsächlich bereits in wenigen Jahren eine ganze Industrie in Frage gestellt ist.



Der Film zieht ein meines Erachtens verblüffendes Resümée, wie es um die Entwicklung “sparsamer” Autos im Vergleich zur Technik von vor 30 Jahren bestellt ist. Verblüffend dabei ist auch der Status Quo der Entwicklung der Elektromobilität einerseits und die Abstinenz des deutschen Automobilbaus in diesem Segment andererseits.

Der Film lässt erahnen, dass Elektromobilität eine erhebliche Komplexitätsreduktion im Automobilbau mit sich bringt, was in absehbarer Zeit den Wegfall klassischer Industriearbeitsplätze in der Automobilzulieferindustrie zur Folge haben wird. Denn alle zum Verbrennungsmotor gehörenden Komponenten werden obsolet. Was dabei noch nicht einmal deutlich wird: Nicht nur der Verbrennungsmotor einschließlich der Abgasanlage und herkömmlichen Schalt- und Übersetzungsgetrieben, auch der Karosseriebau dürfte vor tiefgreifenden Veränderungen stehen. Denn es liegt wohl nahe anzunehmen, dass in Folge der Notwendigkeit, die Energieaufnahme zu reduzieren (gemessen in Kilowattstunden), schwere Blechkarosserien aus tiefgezogenen und von Schweißrobotern verbundenen Blechtteilen über kurz oder lang dem Leichtbau unter Verwendung von Verbundwerkstoffen weichen werden, wie sie heute beispielsweise bereits aus dem Flugzeug- oder Rennwagenbau bekannt sind.

Angesichts der verringerten Zahl notwendiger Bauteile, die der Elektroantrieb bedeutet, ist mit einem weiteren Preisverfall von Automobilen zu rechnen. Heute soll ein echtes. also als solches entwickeltes Elektroauto wie bspw. der Mitsubishi i MiEV noch zwischen 35.000 und 40.000 € kosten. Wenn man aber Produktionszahlen wie die der Verbrennungsmotorgetriebenen Fahrzeuge erreicht und zugleich zur genormten Wechselbatterie übergeht, die man an Tankstellen gegen eine Mietgebühr ausleiht, sodass die Batterie nie Eigentum des Fahrzeughalters wird, könnte der Preis für ein Auto in Zukunft in der Regel im Bereich dessen liegen, was heute ein kleiner benzingetriebener Dacia kostet! Insofern ist das Festhalten an der mit dem Auto zu kaufenden Batterie im Grunde nichts weiter als der plausible Versuch, das Elektroauto künstlich teuer zu machen und dessen hohen Preis auch langfristig zu begründen.

Dankenswerterweise weist der Film darauf hin, dass es sich bei der Entwicklung keineswegs um eine gesetzlich verordnete Ökologiemanie handelt, die hier am Werk ist, sondern die rein weltwirtschaftlich bedingte Verteuerung von Energie in Form flüssiger Treibstoffe – allen voran Öl – den Paradigmenwechsel hin zur Elektromobilität provoziert. Diese Entwicklung schafft so oder so nachhaltig einen Markt, der irgendwann von irgendjemandem bedient werden wird. Die Frage für den rechtzeitigen Aktienkauf lautet nur: Von wem?

2 Kommentare »