Exzerptnotizen zur „Suche nach dem Sinn“ nach Wilhelm Schmid

Schmid zeigt in seinem Text „Zur Suche nach Sinn“ implizit die Notwendigkeit eines Gegenübers bei der Sinnkonstruktion auf: Für Schmid ist es erst das Gespräch, d.h. der Dialog mit einem Gesprächspartner, der die Reflektion ermöglicht. Problematisch wird es jedoch, wenn die Möglichkeit zur Reflektion im Gespräch fehlt oder unterbunden wird; bspw. in Folge von Individualisierung, in Folge problematisierter oder verweigerter Kommunikation sowie in Folge von organsiatorisch zu Machtzwecken herbeigeführter Vereinzelung – wie sie bspw. in der Arbeitsorganisation zur Steuerung und Kontrolle von Individuen verbreitet ist. Dann tritt schlimmstenfalls die „Erschöpfung des Selbst“ ein, in der das „Individuum“ als „einziger Ursprung und Verantwortlichem des Handelns“ überfordert wird.
Schmids Feststellung, dass Sinn, also Zusammenhänge, auch hergestellt werden müssen, statt ihn im Zuge der Reflektion zu zertören, findet sich auch in der Identitätstheorie als dem Gegensatzpaar von Reflektion und Selbsterzählung.

Exzerpt

„Sinn ist, wenn Zusammenhänge sichtbar sind und alles ineinander greift. […] wenn man Zeuge [von etwas] wird, ohne erkennen zu können, wie es dazu kam (situative Zusammenhänge), warum das geschehen ist (kausale Zusammenhänge), […] welchem Zweck es dienen könnte (teleologische Zusammenhänge), dann kommt es zwangsläufig zur Erfahrung von Sinnlosigkeit.“ (S.2)

„Ein Leben, in dem die Erfahrung der Sinnlosigkeit überhand nimmt, da es keine Zusammenhänge mehr kennt, ist auf Dauer wohl kaum lebbar.“ (S.3)

„Sinn ist eine […] Ressource an Kräften […]. Nur die ERfahrung von Sinn setzt […] Kräfte für die Bewältigung […] einzelner Lebenssituationen frei“ (S.3)

„Wer […] keinen Sinn mehr sieht, kanns ich selbst mit hartnäckigem ‚Positivdenken‘ nicht mehr über die eigentliche Leerstelle hinweghelfen. Der Rückzug auf bloßes ‚Funktionieren‘ hilft nicht weiter.“ (S.4)

„Gespräche ermöglichen, sich selbst und viele andere wie von außen zu sehen und somit relativieren zu können. Die Enge des Alltags wird transzendiert, um von einem Punkt außerhalb seiner selbst auf sich und das eigene Leben zu blicken, das gelebte Leben zu rekapitulieren, dessen Zusammenhänge zu deuten und in Bezug zu einem Verständnis des schönen und wahren Lebens zu setzen, das man gewinnen kann, wenn man nach ‚dem Sinn‘ fragt.“ (S.5)

„Sinn lässt sich nicht einfach nur ‚finden‘, sondern muss in die Dinge auch hineingelegt werden. Es kommt darauf an, diejenigen Zusammenhänge zu sehen oder herzustellen, die so überzeugend erscheinen, dass man es wagen kann, sein Leben darauf zu bauen: Rekonstruktion des Sinns also, anstatt endlos weiter an seiner Destruktion und ‚Dekonstruktion‘ zu arbeiten. Die moderne Zeit bedarf vor allem einer Arbeit am Sinn – eine Arbeit, die keinem System anvertraut werden kann, sondern von einzelnen Individuen selbst zu leisten ist“ (S.6)

Schmid, Wilhelm: Suche nach dem Sinn. o.O.u.J., http://www.lebenskunstphilosophie.de/Hauptframe/Text%2006%20-%20Suche%20nach%20dem%20Sinn/Suche%20nach%20dem%20Sinn.pdf (27.11.2013)

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