Notizen zu der Methode von Michal Kosinski, Menschen anhand ihres Verhaltens auf Facebook zu analysieren

Am 3.12.2016 erscheint unter https://www.dasmagazin.ch/2016/12/03/ich-habe-nur-gezeigt-dass-es-die-bombe-gibt/ ein Artikel unter dem Titel „Ich habe nur gezeigt, dass es die Bombe gibt“, in dem die Geschichte erzählt wird, wie mit psychometrischen Methoden in Verbindung mit Big Data (und hier u.a. Facebook) „Microtargeting“ im Politmarketing Wahlkampf mit Onlinemedien geführt wird. Ausführlich wird ein wohl auch auf YouTube verfügbarer Beitrag von Alexander Nix, dem Geschäftsführer einer Firma namens „Cambridge Analytica“ referiert, in dem Nix darstellt, wie Daten beschafft und in einem digitalen Cockpit für das operative Politmarketing aufbereitet werden. So habe man für Millionen Amerikaner Psychogramme erstellt, könne diese in Kenntnis ihres Wohnortes uvm. direkt ansprechen und in Kenntnis ihrer jeweils individuell spezifischen Psychologie mit entsprechend individuell zugeschnittenem Spin-Doctoring in ihrer Wahlentscheidung beeinflussen.

Dieser Artikel in dasmagain.ch hat sich über Facebook viral verbreitet. Ein interessanter, weil relativierender Kommentar findet ich hier: https://m.facebook.com/story.php?story_fbid=10154737458394659&id=642679658&hc_location=ufi

Meine ersten spontanen Überlegungen hierzu habe ich in einem Thread von Anett Ludwig formuliert, die den Artikel aus dasmagazin.ch geteilt hat: Es wird langsam Zeit für eine emanzipative Bewegung gegen technisch hochgezüchtete Propaganda und ich schlage vor, das Public Intelligence zu nennen. Denn Zweck des Microtargeting ist es nach meinem Verständnis, gezielt (Des-)information zu streuen und in solchen Micro-Teilöffentlichkeiten Meinungs- und Deutungshoheit zu erlangen. Die Frage, die sich mir seit langem stellt ist, wie ein geeignetes Informationssystem aussehen würde, auf das jedermann bei Bedarf zurückgreifen kann, um sich zutreffend und ausgewogen zu informieren. Da Geheimdienste als Intelligence Services genau diese Aufgabe für Staaten versehen, nämlich Informationen zu sammeln und zutreffende Lagebeschreibungen zu liefern, und diese Informationsfunktion und ihre Methoden gerade auch zum Methodenkanon von Lobbyagenturen zählt, stelle ich mir vor, dass jedermann in Zukunft auf entsprechende private Intelligence-Services zurückgreifen kann, die ihn oder sie vertrauenswürdig informieren, sodass man eben nicht zum Opfer gezielter (Des-)Information wird. Vor diesem Hintergrund müssen m.E. sowohl Medienunternehmen und ihre Informationsprodukte und Dienstleistungen (ungeachtet der jeweiligen Zielgruppe), als auch politische Vereine (Parteien) und deren kollektive Informationsverarbeitungssysteme auf den Prüfstand. Genau hier sehe ich große Potentiale für disruptive Innovationen sowohl in der Zeitungs- und übrigen Medienwirtschaft, als auch im Bereich der Parteien.

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