GALTUNG, Johann: Struktur, Kultur und intellektueller Stil. Nr.1183

Vergleichender Essay über saxonistische, teutonische, nipponische und gallische Wissenschaft. In: Wierlacher [Hrsg.]: Das Fremde und das Eigene. München 1985, S.51-93

(Beachte das aktuellere und vollständigere Exzerpt vom 14.02.2008)

[Abstract]

Galtung grenzt vier Kulturen voneinander ab und benennt als deren Zentren die USA und Großbritannien, Japan, Frankreich und Deutschland. Jeder dieser Kulturen unterstellt er einen für die jeweilige Kultur typischen intellektuellen Stil.

Die Zentren des „sachsonischen Stils“ sind Galtung zufolge die USA und Großbritannien. Kanada und Australien zählt er zu deren Peripherie. Der sachsonische Stil ist Galtung zufolge faktenorientiert, empirisch, personenzugewandt, humorvoll, aufbauend und pragmatisch. Als Beispiel führt er die Rechtssprechung nach Fällen an.

Der „nipponische Stil“ hat sein Zentrum laut Galtung in Japan, seine Peripherie in Ostasien. Zu den Eigenschaften des nipponischen Stils zählt Galtung das Primat sozialer Beziehungen, das Bemühen um „Einheit“, den enzyklopädischen Stil, den hohen Stellenwert der Wahrheit, den Meisterbezug und die Ancienität.

Typisch für Frankreich, Italien, das französche Afrika und Rumänien ist für Galtung der „gallische Stil“, dem es um Ästhetik geht, der theorieorientiert-rational ist und der Polarisierungen über die „Elegance“ der Sprache zusammenführt.

Deutschland stellt für Galtung das Zentrum des „teutonischen Stils“ dar – symbolisiert durch den Elfenbeiturm. Zur Peripherie dieses Stils zählt Galtung Osteuropa ohne Rumänien. Charakteristisch für den teutonischen Stil ist laut Galtung die Theoriebildung, die Illustration von Daten ohne explizite Beweisführung, die Strenge, die Polarisierung, die Humorlosigkeit, das Hierarchische und Rationale.

2 Gedanken zu „GALTUNG, Johann: Struktur, Kultur und intellektueller Stil. Nr.1183

  1. Florian Dieckmann Beitragsautor

    Interessant ist die Gegenüberstellung des sachsonischen und des teutonischen Stils. Stand hier nicht mehr? Enthielt Galtungs Aufsatz nicht den Hinweis, der Amerikaner habe die Freiheit, eine These aufzustellen und zu prüfen, der Deutsche aber müsse zunächst die ganze Theoriegeschichte kennen, um dann von den „Schultern der Riesen“ aus überhaupt etwas sagen zu dürfen?

    Zu prüfen ist, ob es in Galtungs Text einen Anhaltspunkt dafür gibt, dass der teutonische Stil in eine Art Handlungsunfähigkeit führt.

    Problematisch wäre es, wenn nicht der interessante Gedanke zählte, sondern allein die Fähigkeit, ihn im Kontext der vorangegangenen Theoriegeschichte verorten zu können oder zumindest glaubhaft suggerieren zu können, man könne genau das.

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