Genette, Gérard: Erzählung und Diskurs.

In: Genette, Gérard: Die Erzählung. München 1998

[Exzerpt. Seitenzahlen aus Mentzer/Sonnenschein (Hg): Die Welt der Geschichten]

Genette unterscheidet drei unterschiedliche Bedeutungen oder Ebenen des Erzählens bzw. des Begriffs der Erzählung.

  1. Erzählung als Narratiion bzw. „narrative Aussage [...], die von einem Ereignis oder einer Reihe von Ereignissen berichtet“
  2. Erzählung als Abfolge der „realen oder fiktiven Ereignisse, die den Gegenstand dieser Rede ausmachen, und ihre unterschiedlichen Beziehungen untereinander“ (117)
  3. Erzählung als Ereignis, „das darin besteht, dass jemand etwas erzählt.“ (118)

Genette schlägt folgende Begriffe vor:

Zu 1.) die Geschichte
Zu 2.) die Erzählung (der Aussage, des narrativen Textes)
Zu 3.) die Narration (als dem produzierenden narrativen Akt)

Geschichte und Narration existieren nur „vermittelt“ durch die Erzählung. Die Erzählung wiederum braucht eine Geschichte. Und sie braucht jemanden, der sie erzählt.

Im Nachgang dieser Begriffsklärung und Differenzierung fokussiert Genette dann auf die Frage, wer spricht bzw. wer sieht. Denn dies wirft die Frage nach dem Blickwinkel des Erzählenden auf, dem Fokus oder Point of View. Genette benutzt hierbei den Begriff der Fokalisierung.

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Frey, James N.: Was ist eine Geschichte?

In: Frey, James N.: Wie man einen verdammt guten Roman schreibt. Köln 1993

[Exzerpt. Seitenzahlen aus Mentzer/Sonnenschein: Die Welt der Geschichten]

„Eine Geschichte ist eine Schilderung von folgenschweren Ereignissen, an denen bemerkenswerte menschliche Figuren beteiligt sind, die sich infolge dieser Ereignisse verändern.“ (71)

Frey leitet dies im einzelnen her: Geschichte als Schilderung von Ereignissen wird erst lesenswert, weil die Ereignisse interessant sind. Von Interesse sind die Folgen. Ereignisse sind eben genau dann interessant, wenn sie folgenreich sind bzw. überhaupt Folgen haben. Darüberhinaus aber erweckt eine Schilderung folgenschwerer Ereignisse nur dann Aufmerksamkeit, wenn diese Folgen interessante menschliche Figuren betreffen, die „unsere Aufmerksamkeit verdienen“.

Man könnte aus Frey folgendes Schaubild folgern: Menschen sind mit Eigenschaften ausgestattet, die sie identifizierbar machen. Zum Beispiel Gefühle, Erwartungen, Ängste, Lebensformen, Beziehungen usw. Ereignisse haben nun Effekte, die mit diesen Attributen in einer Wechselwirkungsbeziehung stehen:als Konsequenzen für diese Attribute. Die sich wandelnde Umwelt nötigt die Figuren dadurch zum Handeln, das neue Ereignisse mit neuerlichen Konsequenzen mit sich bringt.

Bausteine einer Geschichte

Abbildung: Eigene Darstellung

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