Beitrag zu Chancen, Risiken und Ökonomie der Koevolution neuer Medien und Gesellschaft

Vor ein paar Monaten hatte ich eine Rezension zu Gisela Schmalz “No Economy” geschrieben, zu der ich von Frau Schmalz sogar ein anerkennendes Feedback per Email erhielt. Am 4. Februar lief nun eine interessante Sendung “Die Welt ist flach. Chancen und Risiken der digitalen Veränderung” auf 3Sat, bei der der Moderator Gert Scobel mit Gisela Schmalz (FH Köln), Frank Schirrmacher (FAZ) und Constanze Kurz (Chaos Computer Club) diskutiert.

Die Sendung gibt es nun als Podcast zum Download:

http://podfiles.zdf.de/podcast/3sat_podcasts/100204_internet_scobel_p.mp3

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Zukunft des Journalismus: öffentliche Umlagefinanzierung versus Wandel der Geschäftsmodelle

In diesem Beitrag will ich kurz ein paar Fundstellen notieren, die ich nach dem erneuten Lesen in dem Blog Amy’s Welt von Anna-Maria Müller in Erinnerung behalten und zu meinen Überlegungen in Beziehung setzen möchte. Nachdem ich nun in Amy’s Welt immer mehr interessante Gedanken und Hinweise finde, muss es einfach raus: Ich bin beeindruckt! Ich denke, zu einem treuen Leser zu werden. mehr »

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Exklusion versus Inklusion. Notizen zu Steinfelds “Piraten und Papier”, SZ Nr.134, S.9

Thomas Steinfeld greift im SZ-Feuilleton vom 15.06.2009 den Wahlerfolg der Piraten-Partei auf, die bei den EU-Parlamentswahlen 7,1% der Stimmen in Schweden bekommen hat. Angesichts eines Trends zur Kostenlosigkeit wertvoller Informationen,  der scheinbar von den Piraten und privatwirtschaftlich subventionierten Stiftungen verkörpert wird, macht sich Steinfeld Sorgen um die ökonomische Lebensfähigkeit einer  Öffentlichkeit, die von Zeitungen und Informationsproduzenten organisiert wird, die durch das Urheberrecht geschützt sind. Steinfelds Artikel verweist aber noch auf einen anderen Aspekt: Auf den Gegensatz zwischen dem Prinzip der Exklusion, welches die etablierten Institutionen der räsonierenden Öffentlichkeit konstituiert, und dem Prinzip der Inklusion, welches sich in einer Öffentlichkeit ausbreitet, die durch das Internet geprägt ist. Ich denke, dass sich erst hieraus ein Antwort auf Steinfelds Frage ergibt, was das Neue jenseits der bloßen Ablehnung des Althergebrachten sein könnte.

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Journalisten sind auch nur User. Warum also nutzergenerierte Inhalte nur als kostenlos verfügbare Kollektivgüter betrachten?

Seit Jahren läuft eine begeisterte Diskussion, bei der dem Web aufgrund seiner gelungenen Öffnung für nutzergenerierte Inhalte als kostenloser Ressource sozialrevolutionäres Potential zugeschrieben wird. Häufig fällt das Stichwort „Web 2.0“. Die Begeisterung für Dienste und Informationen als kollektive Güter geht aber auch mit handfesten ökonomischen Interessen einher. Gerade Medienunternehmen sind an preiswerten Ressourcen interessiert. Zwar herrscht auch hier Begeisterung für neue Möglichkeiten der Teilhabe, doch beim Geld hört die Freundschaft plötzlich auf. Warum? Im folgenden Rezensionsessay gehe ich dieser Frage nach. Dreh- und Angelpunkt ist dabei  „User generated content“ (UCG), den Medienunternehmen als Erlösquelle zu schätzen lernen. Eine entsprechende Erörterung dieses Ansatzes findet sich in der Diplomarbeit von Philipp Sebastian Rogge, die im Juni 2007 als Arbeitspapier des Instituts für Rundfunkökonomie an der Universität zu Köln unter dem Titel “Nutzergenerierte Inhalte als Erlösquelle für Medienunternehmen[1] publiziert worden ist.  Ich versuche zu zeigen, inwiefern dieser Ansatz bestehende Marktstrukturen konserviert, das Nachdenken über mögliche Erlösquellen im Zusammenhang mit Informationsgütern auf Werbung reduziert und die Produktion von Informationen als entgeltlichem Wertschöpfungsprozess außer Acht gelassen wird. Enthusiasten, Sozialrevolutionäre und Medienwirte vereint dabei, dass  es an Ideen mangelt, wo und in welchen Kontexten Information Nutzen stiftet und ihr (pekuniärer) Wert ermittelt werden kann.

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Literaturhinweise zur Frage, warum Wikis funktionieren, Blogs nicht

Johan Schloemann weist in der SZ vom 3. Juni 2009 auf drei Autoren hin, die  dem Wiki-Prinzip  den Ritterschlag erteilen: David Runicman, lehrender Politologe aus Cambrigde und “Großneffe von Runciman, dem berühmten Historiker”, der im London Review of Books sein Rezensionsessay über “The Wikipedia Revolution” von Andrew Lih veröffentlicht hat. Und Cass R. Sunstein,  “Kollege des späteren US-Präsidenten [Obama] an der Chicago Law School”, mit einem eigenen, sogar schon auf Deutsch übersetzem Buch “Infotopia. Wie viele Köpfe Wissen produzieren.”  All diese Autoren bejahen die Frage, ob Wikipedia funktioniert, und leiten zu der Frage über, warum. Zumindest tun sie dies nun auch für die Zielgruppe all jener wie “Lehrer in Schule und Universität”, die davon noch aus der SZ erfahren müssen. mehr »

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Donsbach vergleicht Krise des Journalismus mit Politikverdrossenheit

Passend zu meiner Bemerkung an anderer Stelle, Zeitungen in der althergebrachten Form gingen mit den Parteien in ihrer althergebrachten Form unter, finde ich heute morgen auf den Seiten von HoriCon den Hinweis auf den Artikel “Journalismus in der Vertrauenskrise” im Schweiz Magazin. Darin wird das neue Buch “Entzauberung eines Berufs” von Wolfgang Donsbach u.a. vorgestellt, in dem Donsbach und seine Co-Autoren eine telefonische Repräsentativbefragung zur öffentlichen Wahrnehmung des Journalismus in Deutschland vorstellen, wobei die Entzauberung des Journalismus mit der Politikverdrossenheit verglichen wird. mehr »

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Wozu Zeitung? Eine ratlose Elite auf der Suche.

Wozu Zeitung?“ titelt die Beilage der Süddeutschen Zeitung am 8.5.2009. Wieder einmal ist eine Elite ratlos: Diesmal die der so genannten „Presse“, also der werbefinanzierte Teil der Informationswirtschaft, deren Produkte sich an wenig differenzierte Massenpublika statt an Nischenpublika richten. Sie weiß nicht, wie sie ihr Geschäftsmodell, das namensgebend auf Druckerpressen und physischen Papierdistributionssytemen beruht, in eine Informationsgesellschaft hinüberretten soll, die sich durch das Internet verändert. mehr »

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SZ thematisiert Effekt der Finanzkrise auf Web2.0-Unternehmen

Bezogen auf einen Kommentar von Alexander Dill eine interessante Fundsache.

“Von der breiten Öffentlichkeit unbemerkt hat sich in den vergangen Jahren eine neue Blase gebildet, kleiner zwar als die erste, aber nicht weniger spektakulär. Und dem Schlagwort Web2.0″ (SZ Nr.93, 23.04.2009, S.24)

Dill vermutete, vieles im Web2.0 ginge nun mit der Blase an den Finanzkrise baden. Die Süddeutsche Zeitung titelt heute  “Neue Seiten, alte Fehler” und berichtet, dass Risikokapitalgeber kein Interesse mehr an Gründern hätten, die mit Begriffen wie “Web 2.0″ hantieren (Zitat Earlybird). Viele Web2.0-Gründungen verschwänden nun, da mit der Wirtschaftskrise eine Flaute im Internetwerbebudget begonnen habe und “große Investoren wie etwa Pensionsfonds an der Börse einiges verloren haben”, sodass nun weniger Geld in Wagniskapitalfonds fließe.

Web 2.0 wird in dem Artikel auf die Idee reduziert, die Nutzer für die Inhalte selbst sorgen zu lassen. Erfolgsbeispiel des Artikels ist ein ehemaliger Sächsischer Olympia-Athlet, dessen Plattform bereits zum Zeitpunkt der Finanzierung 3500 Nutzer gewinnen konnte und die sich als “modernes Sportmagazin”, nicht aber als Community und schon gar nicht als “kostenpflichtiger Premiumdienst” verstehe. Paradoxerweise  aber soll die Haupteinnahmequelle Werbung sein. Bezogen auf Dills Kommentar ist interessant zu lesen, dass Google Youtube für 1,7 Milliarden $ gekauft, das Videoportal jedoch bislang keinen Gewinn erwirtschaftet haben soll. Microsoft sollen 1,6% von Facebook 240 Mio € Wert gewesen sein.

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Nachtrag zu Jessens traurigen Strebern: Oskar Piegsa begeistert sich für Mercedes Bunz

(Randnotiz) Die Diskussion der Polemik von Jens Jessens, zu der ich auch einen kleinen Beitrag verfasst habe, reißt nicht ab. Ich bin mit Oskar Piegsa einer Meinung, dass die gehäuften Suchen nach Jessens Artikel bei Google darauf hindeuten, dass es sich um ein beliebtes Aufsatzthema handelt. Soweit Piegsas Aufhänger, mal wieder auf Jessens Artikel zurückzukommen. Dann verweist er auf einen Artikel von Mercedes Bunz, der seiner Meinung nach “als Prothese für den Missing Link”  zwischen Jessens Text und Fusts Reaktion heran gezogen werden kann (”Erhörte Gebete: Kapitalismus, Popkultur, Internet”, De:Bug 131, April 2009, S.19–22)”. mehr »

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Orientierungslos in der Informationsgesellschaft

“Ein Leben ohne Fernseher ist in der Regel ein glücklicheres, besser informierteres, menschlicheres”, schreibt Rahim Taghizadegan in seinem bemerkenswerten Essay “Information statt Deformation” am 12.03.2008. Laut Taghizadegan macht es keinen Sinn, fernzusehen, Zeitungen oder Blogs zu lesen, solange wir für die vermittelten Inhalte keine Verwendung haben. Wofür aber haben wir Verwendung? Im folgenden versuche ich, Taghizadegans Gedankengang in eigenen Worten nachzuvollziehen und durch eine kritische Würdigung zu ergänzen, indem ich seine Gedanken mit dem Bereich der politischen Kommunikation in Verbindung bringe. mehr »

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Im Web wird doch mehr gelesen als geschrieben

Unter dem Titel “Was von der Zukunft geblieben ist” vergleicht Thomas Roessing die sieben Thesen von Margot Berghaus, die sie 1997 in ihrem Aufsatz “Was macht Multimedia mit Menschen, machen Menschen mit Multimedia?” aufgestellt hat. Für mich ist hier vor allem interessant zu lesen, in welchem Verhältnis lesen und schreiben, d.h. Konsumtion und Produktion von Inhalt stehen.

Angesichts der Entwicklungen in dem Bereich, der mit demSchlagwort Web 2.0 assoziiert wird, scheint Berghaus‘ These aus dem Jahr 1997 durchaus zutreffend zu sein: „Das traditionelle Massenmedienmodell gilt nicht mehr: „‘Sender‘, ‚Medium‘ und ‚Empfänger‘ (‚Publikum‘) werden demontiert“ (Berghaus 1997: 77). „Mitmach-Web“ und Web 2.0 sind in aller Munde, der Rezipient scheint endgültig den Schritt zum Kommunikator getan zu haben: Blogs, Wikipedia, Medienplattformen wie Youtube und Produktbewertungsseiten leben vom Engagement der Nutzer, User-Generated-Content ist zentrales Merkmal des Phänomens hinter dem Schlagwort Web 2.0 (Kilian/Hass/Walsh 2008). Bei näherer Betrachtung zeigt sich jedoch, dass nicht nur das Schlagwort einen Entwicklungssprung vorgaukelt, der sich in Wirklichkeit lediglich als eine kontinuierliche Entwicklung darstellt. Auch die Bedeutung der von Nutzern bereitgestellten Inhalte wirkt wie durch die Lupe der YouTube-Euphorie vergrößert. Nur ein geringer Teil der Nutzer der Web 2.0-Plattformen trägt selbst etwas bei: sieben Prozent bei Videoportalen, 25 Prozent bei Weblogs, sechs Prozent bei Wikipedia (laut ARD/ZDF-Onlinestudie, Gscheidle/Fisch 2007: 401), der Löwenanteil der Nutzer besteht weiterhin aus klassischen Nur-Rezipienten, „Lurkern“ im Jargon des Internet.

Ich habe hierzu zwei Gedanken. Erstens erkenne ich auch hier die ökonomische Frage, was Nutzer davon haben, Inhalte zu produzieren, um sie als Kollektivgüter zur Verfügung zu stellen. Dies habe ich bereits unter der Überschrift “Kein Geld im Web2.0 aufgrund mangelnder Marktinnovation?” angesprochen. Deshalb empfinde ich es als Bestätigung meiner dortigen Überlegung, wenn Roessig in seinem Fazit schreibt:

In zehn Jahren hat sich im World Wide Web vieles geändert, manches rasant, anderes nur allmählich. Das Web hat die Medienlandschaft gewandelt aber nicht revolutioniert, es hat aus Rezipienten Kommunikatoren gemacht, wenn auch nicht in dem Ausmaß, das der Hype um Web 2.0 nahe legt.

Zweitens aber muss man einräumen, dass es doch recht viel ist, wenn 25 von 100 Weblog-Autoren nicht nur einen fremden Inhalt wiedergeben, sondern etwas selbst produziertes zur Verfügung stellen. Zum Vergleich: Wieviel Prozent der Tageszeitung oder des Fernsehprogramms stammen denn von den Lesern/Zuschauern?

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