Kein Geld im Web2.0 aufgrund mangelnder Marktinnovation?

Ich behaupte, dass man als einzelner Anbieter von Informationen und Wissensarbeit ohne Investitionen, die die Möglichkeit eines durchschnittlichen Angestellten nicht überschreiten, im Internet bis heute in der Regel nicht ausreichend Geld verdienen kann, um hiervon zu leben. Dies liegt meines Erachtens aber nicht in der Natur der denkbaren Produkte oder Märkte begründet, sondern in dem Fehlen geeigneter Marktplätze, die dank der Minimierung der Transaktionskosten entsprechend funktionstüchtige Märkte überhaupt erst ermöglichen, die jedermann zugänglich sind und deren geringe Markteintrittsbarrieren jedermann mit geeigneter Qualifikation reale Einkommenschancen eröffnen. Deshalb frage ich, wer über die Entwicklung von Märkten und Marktplätzen für Informationen und Wissen im Internet und über die Lösung ihrer philosophischen und technischen Probleme nachdenkt und unter welchen Aspekten dieses Nachdenken betrachtet werden muss. mehr »

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Jana Hochbergs Weblog und das Manifest der “Hard Blogging Scientists”

Durch Jana Hochberg und Ihr Weblog http://gophi.blogspot.com bin ich auf das Projekt Hardblogginscientists aufmerksam geworden. Jana platziert auf Ihrer Seite den Button des Projekts und bekennt sich damit zu dem dort veröffentlichten “Manifest V0.2″ der Hardblogginscientists: mehr »

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Salmon, Christian: Eine gute Story – Die Macht ist mit dem, der die beste Geschichte erzählt.

In: Le Monde diplomatique Nr.8122 vom 10.11.2006

[Exzerpt. Mentzer/Sonnenschein: Kapitel 1: „Wirkungen des Erzählens“]

Salmon verweist auf den Professor für Publizistik Evan Cornog, demzufolge „die Fähigkeit, Geschichten zu erzählen, heute eine wesentliche Voraussetzung für eine Führungsposition in Amerika“ ist. (266) Das „Storytelling“ entand laut Salmon als „eine neue Schule der Unternehmensführung in der Betriebswirtschaft“ und hat sich von dort auch in die Politik hinein verbreitet – bspw. ín die Präsidentschaftswahlkämpfe. Als einen der „Gurus“ des Geschichtenerzählens nennt Salmon Steve Denning („A Fable of Leadership Through Storytelling“ 2004 und „How Narrative and Storytelling Are Transformating 21st Century Management“) Denning bezieht sich dabei auf Roland Barthes.

Die gute Geschichte ist der Schlüssel zum Herzen der Menschen, so Salmon unter Berufung auf Drehbuchautor Robert McKee. Auch der Erfolg im Bereich der Werbung um Kapitalgeber für Firmenprojekte hänge davon ab, ob die Unternehmer mit ihren Exposés eine gute Geschichte erzählen könnten. (270)

„Es ist viel einfacher, ein Produkt oder eine Dienstleistung zu verkaufen, indem man eine Erfolgsgeschichte erzählt, statt das Produkt und seine Vorzüge zu beschreiben. Die Leute hören nun mal gern Geschichten“. (271)

„Erzählen heißt immer auch: Informationen und Erfahrungen mitteilen, Praktiken und Kenntnisse etablieren, Inhalte, Redeweisen und Beziehungen formalisieren.“ (271)

Richard Sennett beklagt laut Salmon ein mangelndes Interesse der Soziologie für das Erzählen von Lebensgeschichten.

„Laut Sennett zersetzt der moderne Kapitalismus in seinen Institutionen ‚verständliche und vorhersehbare Langzeitstrukturen’ und beraubt die Arbeitenden der Sinnstiftung und Kontinuität. ‚Wir müssen verstehen, wie das Individuum mit dieser Sinnleere umgehen und sie füllen kann.’ Eine Erzählung des eigenen Arbeitslebens kann unter anderem auch ‚ein Mittel der emotionalen Selbstverteidigung’ sein. Denn der neue Kapitalismus, so Sennett, ist ein wertneutrales und in sozialer wie psychologischer Hinsicht weniger vielversprechendes System als der Kapitalismus des 19. Jahrhunderts’. In diesem Kontext der Deregulierung und wirtschaftlichen Unsicherheit ‚geht es für die Interpretation des eigenen Lebens immer darum, aus unzusammenhängenden Bruchstücken von Arbeitserfahrungen eine erzählerische Arbeitsbiographie zu entwickeln.“ (272f)

(vergleiche: Alain Ehrenberg: Das erschöpfte Selbst)

Salmon weist sodann auf das Risiko der Manipulation mittels Geschichten hin. Es stelle sich die Frage, nach welchen Geschichten sich politische Entscheidungen richteten.

„In den Studios des Reality-TV, an den Konsolen der Videospiele, auf den Sichtfeldern von Mobiltelefonen und auf Computerbildschirmen, in unseren Schlafzimmern und Autos könnte das tägliche Leben bald in einen erzählerischen Kokon eingesponnen sein, der unsere Wahrnehmungen filtert, unsere Affekte stimuliert, unsere sensorischen Reaktionen strukturiert und nur noch das zulässt, was als ‚narrativ hergeleitete Erfahrung’ gelten kann.“ (275f)

Salmon zufolge belegt die „rasante Verbeitung von Blogs [...] die Begeisterung für das Geschichtenerzählen“. Die Menschen wollten sich allerdings nicht an den „wichtigen öffentlichen Debatten“ beteiligen, sondern vor allem „ihre Geschichte“ erzählen.

Salmon sieht Blogger mit dem Titel einer Studie des Pew Center als „neue Interneterzähler“:

„Es reicht nicht mehr, man selbst zu sein. Man muss zu seiner eigenen Geschichte werden. Du bist Deine Story.“ (276)


Anmerkung: Indem jemand seine Geschichte erzählt und die hierzu notwendige Selektions- und Konstruktionsleistung erbringt, wird er sich zugleich mit dem Kontext seiner Handlung, also mit seiner Umwelt befassen müssen. Ich vermute, dass die Auseinandersetzung mit sich selbst immer auch eine Auseinandersetzung mit der eigenen Umwelt bedeutet und dass diese notwendige Auseinandersetzung mit der eigenen Umwelt und die bewusste Konstruktion einer eigenen Rolle in dieser reflektierten Umwelt immer auch zu einer kritischen Einschätzung dieser Umwelt und der Prüfung der in dieser Umwelt möglichen und notwendigen Handlungen führt.

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