Subversion heute. Fusts‘ Reaktion auf Jessens traurige Streber.

Manchmal wiederhole ich spaßeshalber Suchen bei Google, durch die andere hier her gelangt sind. Auf diese Weise lernt man die digitale Nachbarschaft kennen. So zum Beispiel einen Text von Boris Fust, Autor eines Romans über Generation Praktika, der wie ich mit einem Kommentar auf den Beitrag „Die traurigen Streber“ von Jens Jessen in der Zeit reagiert hat. Fust vermutet, dass Jessen und Co. bloß sich selbst und ihre Generation zum Maßstab der Jüngeren erheben, ansonsten aber keine Ahnung haben. Dann skizziert er seine Variante der Subversion, deren Wirkungsmechanismen er zwar nicht zu beweisen versucht, von der man aber nicht behaupten kann, nicht schon einmal davon gehört zu haben. Dabei gelingt Fust ein Wurf, der sich inhaltlich bewahrheiten könnte. Hier ein Auszug:

„Erst durch unser Handeln erodiert die Macht der Massenmedien: Wir benutzen sie nicht mehr. Damit ist Staat, Werbung und PR das wichtigste Mittel zur Unterdrückung und Volksverdummung genommen. […]
Wir indes organisieren uns in Sozialen Netzwerken, sind nicht mehr erreichbar für offizielle Botschaften, sondern schenken nur noch unseren Facebook-Freunden Gehör. Datenschutz? […] Produzieren wir so viele Daten, dass keiner mehr was damit anfangen kann und nur noch weißes Rauschen bleibt. Und so ein Bundestrojaner ist das lächerlichste Rückzugsgefecht, das Big Brother je zu schlagen gezwungen war. Wir werden unregierbar sein. Unsere Freude ist ebenso klammheimlich wie unser Handeln. […] Um die Welt zu einem besseren Ort zu machen, braucht es wahre Subversion und nicht reflexhafte Folklore. Widerstand im klassischen, egomanen Sinne, wäre die Aufkündigung des Generationenvertrags. Jetzt, sofort. […] Wir werden das Geld abschaffen. Nicht aus irgendwelchen Tagträumereien heraus, sondern gerade dann, wenn wir schweißgebadet aus ihnen erwachen und feststellen, dass man Geld sehr wohl essen kann: Die Babyboomer konnten es und haben die Sozialsysteme ratzeputz kahlgefressen.

Quelle: Zuender-Blog » I hope you die before you get old

Wenn wir also in Zukunft vermehrt für unsere und unserer Kinder Bildung selbst zahlen müssen, dann können ja die Rentner in Zukunft auch ihre Rente selber zahlen. Die Damen und Herren Rentner, Nutznießer der fetten Jahre, hatten ja alle Gelegenheit, „vorzusorgen“, gel? 😉

Das die Subversion indes darin besteht, der Herrschaft durch Kontrolle von Informationen durch Verweigerung der Nutzung beherrschbarer Informationskanäle und durch Unempfindlichkeit gegenüber all jenem zu begegnen, was Daten „sensibel“ macht, scheint plausibel. Der jährliche strukturelle Schwund der Branche, für die Jessen arbeitet spricht dafür. Und genau genommen bin ich – als digitaler Nachbar –  der Meinung, mit Fust einer Meinung sein zu können.

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