Ökonomische Suboptimalität des Web 2.0

Warum werden im Internet Dienste und Informationen kostenlos für jedermann zur Verfügung gestellt? Unter welchen Bedingungen ist das überhaupt der Fall? Auf der Suche nach Antworten auf diese Fragen lohnt die Diskussion der Theorie kollektiven Handelns von Mancur Olson. Olsons Theorie zufolge kommt es nur dann zur kostenlosen Bereitstellung von Diensten und Informationen für jedermann, wenn der Nutzen der Beschaffung und Bereitstellung, den die Beschaffenden hiervon haben, die Kosten übersteigt, die diese hierfür allein zu tragen haben. Denn da es in der Natur des Gutes liegt, es nutzen zu können, sobald es verfügbar ist, ohne von der Nutzung ausgeschlossen werden zu können, werden Andere sich nicht an den Kosten seiner Beschaffung beteiligen.

1. Öffentliche Güter und Kollektivgüter
2. Theorieansätze zur Kollektivgutbeschaffung
3. Olsons Theorie kollektiven Handelns
4. Suboptimalität der Kollektivgüterbeschaffung
5. Suboptimalität des Web 2.0

Olsons Theorie in die Diskussion zu werfen, erscheint mir angesichts der mancherorts beobachtbaren Begeisterung für das sozialrevolutionäre Potential des Internets – die ich streckenweise teile – wie der Versuch einer konterrevolutionären Provokation. Insbesondere, wo die Diskussion unter dem Stichwort „Web 2.0“ geführt wird. Dort wird das Potential des Internets aufgrund seiner Eigenschaft als „Ermöglichungsstruktur für die Erzeugung, Verarbeitung und Verwendung von Informationen“ und seiner Fähigkeit zur Vergemeinschaftung als Werkzeug zur Abbildung „kollektiven Wissens“ und als Grundlage „kollektiver Intelligenz“ gesehen. Bei dieser Sichtweise begeistern sich manche Autoren für das Phänomen, dass Dienste und Informationen quasi als öffentliche Güter, als Kollektivgüter verfügbar werden. Sie wollen aufgrund dessen nicht nur die Möglichkeit einer Transformation etablierter Marktstrukturen erkennen, sondern einen Wandel der Ökonomie als solcher.

1. Öffentliche Güter und Kollektivgüter

Stehen bestimmte Güter für jedermann kostenlos zur Verfügung oder werden solche Güter beschafft, spricht man von öffentlichen Gütern oder auch von Kollektivgütern.

„Öffentliche Güter verfügen über die Eigenschaft der Nicht-Ausschließbarkeit , d. h. die unzureichende Zuweisung oder Durchsetzbarkeit von Eigentumsrechten an dem Gut. Für diese Eigenschaft kann es verschiedene Gründe geben – ökonomische, technologische, institutionelle, normative und andere. […] Öffentliche Güter (Kollektivgüter) sind nicht-rival, d. h. dass das Gut zur gleichen Zeit von verschiedenen Individuen konsumiert werden kann, wird bei vielen Autoren als das entscheidende Merkmal öffentlicher Güter bezeichnet.“ [1]

Mancur Olson formuliert es so:

„Ein Gemein-, Kollektiv- oder öffentliches Gut wird […] als jedes Gut definiert, das den anderen Personen in einer Gruppe praktisch nicht vorenthalten werden kann, wenn irgendeine Person […] in einer Gruppe […] es konsumiert.“[2]

Auch wenn der Begriff „Kollektivgut“ synonym zum Begriff des „öffentlichen Guts“ verwendet wird, so verweist der Begriff „Kollektivgut“ anders als der Begriff „öffentliches Gut“ zusätzlich auf den Umstand, dass die Existenz mancher öffentlicher Güter von menschlichem Handeln abhängt, d.h. sie nicht verfügbar sind, wenn sie nicht von jemandem beschafft werden. Dies gilt zum Beispiel für Dienste und Informationen im Internet, wenn sie kostenfrei und unbeschränkt zur Verfügung gestellt werden. Ohne menschliches Zutun gäbe es sie nicht.

2. Theorieansätze zur Kollektivgutbeschaffung

Die von Schmidt-Trenz aufgezählten Theorieansätze[3], die sich mit der Bereitstellung kollektiver Güter befassen, lassen sich danach unterscheiden, inwiefern sie zwei Problemen der Kollektivgutbeschaffung besondere Aufmerksamkeit schenken: Erstens, inwiefern die Nutzer eines Kollektivgutes etwas zu dessen Beschaffung beitragen: Das Kontributionsproblem. Zweitens, inwiefern die Aufgabe der Beschaffung delegiert und ihre Umsetzung kontrolliert werden kann: Das Delegationsproblem.

Die Theorie öffentlicher Güter und die Theorie des Clubs gehen davon aus, dass das Kontributionsproblem kein Problem darstellt oder sich von selbst löst. In der Theorie der öffentlichen Güter kommt die Frage nach der Ressourcenausstattung erst gar nicht auf, weil die Bereitstellung von Kollektivgütern als eine Marktoptimalität jenseits von Problemen der Kontribution oder Delegation beschrieben wird. Die Theorie des Clubs nimmt das Kontributionsproblem bei der Beschaffung kollektiver Güter als solches zwar wahr, sieht es jedoch nicht als Problem an, da hier von einer Optimalität der Mehrnutzbarkeit des Gutes im Verhältnis zur Mitgliederzahl ausgegangen wird. Private und öffentliche Güter werden von der Theorie des Clubs lediglich als Eckpunkte eines Kontinuums so genannter Clubgüter gesehen, die bis zu einer gewissen Kapazitätsgrenze mehrnutzbar sind. Der Club lässt sich durch die Motivation der Mitglieder erklären, die eine freiwillige Gruppe bilden, „deriving mutual benefit from sharing one or more of the following: production costs, the members’ characteristics, or a good characterized by excludable benefits“[4], wobei gleichzeitig angenommen wird, dass der Ausschluß von Nichtzahlern von der Nutzung der beschafften Güter ohne weiteres – als auch ohne weitere Kosten – möglich ist. Die Clubtheorie kommt also gar nicht auf die Idee, die Kontribution zur Beschaffung von Gütern als Problem anzusehen, weil die beschafften Güter ohne Rivalität der sich an den Kosten beteiligenden Akteuren in Anspruch genommen werden und sich nicht beteiligende Akteure ausgeschlossen werden können, sodass sich – ganz ähnlich wie bei der Theorie der öffentlichen Güter – eine Quasi-Marktsituation mit einem Optimum ergibt.

3. Olsons Theorie kollektiven Handelns

Anders als bei der Theorie des Clubs steht das Kontributionsproblem im Zentrum der Theorie Mancur Olsons. Olson geht über die Theorie des Clubs hinaus, da er davon ausgeht, dass die Beschaffung eines Kollektivgutes auch durch einen Club nicht immer wahrscheinlich ist. Weil bei einem Kollektivgut niemand von dessen Nutzung ausgeschlossen werden kann, sobald es einmal beschafft ist, verführt es die an seiner Nutzung interessierten Mitglieder einer Gruppe zu der Spekulation, keinen eigenen Beitrag zur Beschaffung beizusteuern, das Kollektivgut jedoch dennoch für sich zu nutzen, sobald es jemand beschafft hat. Dies wird auch als Trittbrettfahrerproblem bezeichnet. Dies gilt eben auch bezogen auf die Mitglieder von Clubs, hängt dort allerdings von der Möglichkeit der gegenseitigen Kontrolle und Sanktion ab – Parameter, die laut Olson von der Zahl der Mitglieder abhängen.

Ein Kollektivgut wird laut Olson in jedem Fall beschafft, wenn ein Einzelner es beschaffen kann und der auf ihn entfallende Nutzen höher ist als die von ihm allein zu tragenden Kosten, sofern eine Benutzung durch Dritte für seinen individuellen Nutzen nicht von Bedeutung ist, diesen sogar noch vermehrt oder gar dessen Voraussetzung ist.

Bedarf es aber mehrerer Individuen, um die Kosten der Beschaffung eines Gutes zu schultern, von dessen Benutzung später niemand ausgeschlossen werden kann, wird es schwieriger, das ersehnte Gut zu beschaffen. Denn indem Einzelne eigene Interessen verfolgen und darauf spekulieren, das Gut später auch dann nutzen zu können, wenn sie keinen eigenen Beitrag zu seiner Beschaffung geleistet haben werden, wird das Interesse der Gruppe an der Beschaffung unterlaufen, weil sich unter Umständen zu wenige an den Kosten der Beschaffung beteiligen, sodass sich das Gut nicht oder eben nicht in ausreichender Menge beschaffen lässt.[5]

Diese Schwierigkeiten nehmen mit zunehmender Mitgliederzahl der betreffenden Gruppe zu. Denn ist die Gruppe ausreichend groß oder sind die Kosten des angestrebten Kollektivgutes ausreichend klein bzw. unauffällig, so neigen die einzelnen Mitglieder der Gruppe zu der Annahme, dass  die Belastung für irgendeinen anderen Beitragszahler kaum merklich steigen wird, nur weil sie sich nicht beteiligen – also als Beitragszahler ausfallen. Der Einzelne spekuliert darauf, seine Zurückhaltung werde andere nicht veranlassen, ebenso zu handeln. Er hofft, dass das ersehnte Gut auch ohne sein Zutun beschafft werden wird. [6]

Entscheidend für eine erfolgreiche Kollektivgutbeschaffung ist deshalb die Effizienz der Koordination der Beiträge der Einzelnen. Zwar ist der Versuch, zu mehreren ein Kollektivgut zu beschaffen, zunächst davon abhängig, ob dieses Kollektivgut überhaupt persönlich für den Einzelnen von Nutzen ist, der sich an dessen Beschaffung beteiligen soll. Der Versuch der Beschaffung kann aber überdies nur dann erfolgreich sein, wenn dem Einzelnen weitere Anreize angeboten oder Sanktionen angedroht werden können, um sicherzustellen, dass sich ausreichend viele einer Gruppe an den Kosten der Beschaffung des Kollektivgutes beteiligen, sodass das Gut überhaupt beschafft werden kann. Mitglieder von Gruppen müssen sich also einvernehmlich zur Kooperation entschließen und denjenigen durch zusätzliche Anreize oder durch Sanktionen beherrschen können, der versucht, sich um seinen Anteil an den gemeinsam zu schulternden Kosten zu drücken.[7]

Olson sieht die Größe der Gruppe als ausschlaggebend für ihren Zusammenhalt, ihre Wirksamkeit, ihre Anziehungskraft und für den Anreiz, bezogen auf die Gruppe etwas beizutragen[8] Bei der Betrachtung unterschiedlicher Gruppengrößen gibt Olson der kleinen Gruppe den Vorrang. Erstens sind die Interessen in kleinen Gruppen unter Umständen homogener, als in größeren Gruppen, die Fähigkeit zur geeinten Kontribution also potentiell stärker ausgeprägt, als in größeren Gruppen mit heterogeneren Interessenlagen. Zweitens aber sind die Kosten eines Gutes in einigen Fällen auch eine Funktion der Menge des beschafften Gutes– und die benötigte Menge wiederum eine Funktion der Gruppengröße.

Kann ein Kollektivgut auch von einem Einzelnen beschafft werden, so übersteigt sein persönlicher Nutzen die von ihm zu tragenden Kosten der Beschaffung. Hier nun taucht abhängig von der Natur des betreffenden Gutes die Schwierigkeit auf, dass das Gut zwar kollektiv genutzt werden kann, der Nutzen für den Einzelnen jedoch durch die Nutzung durch Andere im Falle bestimmter Güter abnehmen könnte. Dann muss genau genommen nicht der individuelle Nutzen die Kosten der Beschaffung übersteigen, sondern der auf den Beschaffenden entfallende Anteil am Nutzen beziehungsweise an der jeweils beschafften Menge des Gutes. Dies wiederum hängt davon ab, wie hoch der individuelle Nutzen am beschafften Gut abhängig von der Teilung dieses Nutzen mit Anderen ist und wie groß die Anzahl derer ist, mit denen das Gut geteilt werden muss.[9]

Diesen Befund abstrahiert Olson, indem er annimmt, dass das Individuum (i) ein Kollektivgut beschaffen will, wenn es von diesem Gut profitiert. Angesichts der Kostenfunktion eines Gutes kann dabei festgestellt werden, dass das Kollektivgut nur solange beschafft werden wird, solange ein Individuum – auch wenn es das Kollektivgut alleine herstellt – noch Gewinn erwirtschaftet. Damit ist auch die Menge des beschafften Gutes an die Kosten-Nutzen-Relation des einzelnen Individuums gekoppelt. Die beschaffte Menge wird so hoch sein, bis unter diesen Umständen das Individuum einen Grenznutzen erreicht, d.h. die Beschaffung weiterer Mengen des betreffenden Gutes keinen individuellen Mehrnutzen stiftet. Inwiefern das Individuum bei der Kollektivgutbeschaffung Gewinn erwirtschaftet, hängt davon ab, wie der Gewinn verteilt wird. Entspricht der Gesamtgewinn der Gruppe (Wg) der Menge des erwirtschafteten Kollektivgut, so gilt: Wg = Gg M. Der Gesamtgewinn (Wg) der Gruppe hängt dann von der verfügbaren Menge des erwirtschafteten Kollektivguts (M) ab, wobei noch die Frage zu stellen ist, auf wie viele Gruppenmitglieder (Gg) aufgeteilt werden muss. Der Gewinn eines einzelnen Individuum (Wi) hängt nun von dem Bruchteil (Bi) vom Gruppengewinn (Wg = Gg M) ab, den es erhält. Der Bruchteil (Bi) ist gewissermaßen ein Faktor des Gruppengewinns: Wi = Bi * Wg oder Wi = Bi * (Gg M), wobei der Bruchteil (Bi) dann (Wi/Wg) entspricht. Der Gewinn des einzelnen Individuum (Wi) wird jedoch geschmälert durch die Kosten, die dem einzelnen Individuum entstehen. Dieser Reingewinn (Vi) entspricht dem Gewinn des Individuums (Wi) minus den Kosten (K), die der Einzelne tragen muss. Es gilt also Vi = Wi-K. Im Extremfall trägt ein einzelnes Individuum die Gesamtkosten der Beschaffung des Kollektivgutes, während zugleich andere vom Kollektivgut profitieren. In diesem Fall wird die Relevanz der Frage offensichtlich, welche Menge des Kollektivguts vom kostentragenden Individuum jeweils ‚gekauft’ wird. Diese Menge wird zwischen der Überwindung des indifferenten Punktes Vi>0 und der Menge liegen, ab der dem Individuum durch ein mehr an Gütern kein zusätzlicher Nutzen mehr entsteht und der individuelle Grenznutzen abnimmt. So wird das Individuum am indifferenten Punkt Vi=0 noch nicht motiviert sein und so ist Wi>Ki die Bedingung für die Beschaffung eines Kollektivgutes durch ein einzelnes Individuum.[10] Ausgehend von der Betrachtung der individuellen Kosten-Nutzen-Relation im Extremfall, dass nur ein einzelner die gesamten Kosten für die Beschaffung des Kollektivgutes trägt, vermutet Olson nun, dass das Kollektivgut vor allem dann bereitgestellt wird, wenn in der Gruppe die Kosten des Kollektivgutes (Kg) im Verhältnis zum Gesamtgewinn (Wg) so klein sind, dass der Gesamtgewinn die Gesamtkosten übersteigt und der Gewinn der Gruppe (inklusive des Einzelnen) (Wg) den Gewinnbruchteil des Einzelnen (Wi) übersteigt, aus dem der Einzelne dann seinen Kostenanteil für das Kollektivgut bestreitet und aus dessen verbliebenen Überschuß er dann seinen Vorteil ziehen kann. Erschwerend kommt hinzu, dass, „wenn eine Gruppe ein gewöhnliches Kollektivgut zu erwerben sucht, […] sie […] feststellen [muss], dass die erste erworbene Einheit des Kollektivgutes viel teurer ist als die folgenden Einheiten des Gutes.“[11] Deshalb muss der Einzelne berücksichtigen, inwiefern „sein Gesamtnutzen […] größer ist als die Gesamtkosten dieser [auf ihn entfallenden] Menge des Gutes“ und „wie viel er vom Kollektivgut allenfalls beschaffen sollte“, wobei die Antwort hierauf von seinem persönlichen Kosten-Nutzen-Verhältnis abhängt.[12] Im Gegenzug müssen die übrigen Individuen der Gruppe beurteilen, inwiefern der Gruppennutzen optimiert wird; also die Kosten-Nutzen-Verteilung pareto-optimal gleichverteilt ist.

4. Suboptimalität der Kollektivgüterbeschaffung

Aus der Kosten-Nutzen-Beurteilung der Beschaffung von Kollektivgütern durch das einzelne Individuum entspringt Olson zufolge auch das Problem, dass Gruppen sich nur suboptimal mit kollektiven Gütern versorgen können. Denn die Mitglieder einer Gruppe kommen zu dem Schluß, dass niemand in der Gruppe einen Anreiz hat, unabhängig irgendeine Menge des Kollektivgutes zu beschaffen, wenn die Menge, die derjenige mit dem größten Gewinnbruchteil [Bi] besorgen würde, einmal verfügbar ist. „Das legt die Vermutung nahe, dass ebenso wie in großen Gruppen die Tendenz besteht, sich überhaupt nicht mit Kollektivgütern zu versorgen, in kleinen Gruppen eine Tendenz zur suboptimalen Versorgung mit Kollektivgütern besteht. Diese Suboptimalität wird um so beträchtlicher sein, je kleiner der Gewinnbruchteil [Bi] des ‚größten’ Individuums in der Gruppe ist.“[13] Je mehr Mitglieder eine Gruppe hat, desto kleiner fallen unter Umständen die Anteile aus und um so problematischer ist die optimale Versorgung, da sich die einzelnen Individuen bereits mit der Beschaffung sehr geringer Kollektivgutmengen zufrieden geben. „Da niemand einen Anreiz hat, mehr von dem Kollektivgut zu beschaffen, wenn das Mitglied mit dem größten Bi die Menge, die es haben will, erlangt hat, gilt auch, dass in einer kleinen Gruppe die Aufteilung der Kosten des Erwerbs des Kollektivgutes nicht proportional zum Nutzen erfolgt, den das Kollektivgut stiftet. Das Mitglied mit dem größten Gewinnbruchteil [Bi] wird einen überproportionalen Teil der Lasten tragen.“[14] Olson folgert daraus, dass es zu einer „systematischen Tendenz zur ‚Ausbeutung’ der Großen durch die Kleinen“ kommt.[15]

Olson kommt zu dem Schluß, dass sich zumindest kleine Gruppen ohne weitere Anreize mit kollektiven Gütern versorgen können. „Das kommt daher, dass in kleinen Gruppen jedes Mitglied oder wenigstens eines von ihnen feststellen wird, dass sein persönlicher Gewinn aus dem Kollektivgut die Gesamtkosten der Bereitstellung einer gewissen Menge dieses Kollektivgutes übersteigt.“[16] Begünstigend wirkt die Ungleichheit der Mitglieder der Gruppe, „denn je größer das Interesse irgendeines einzelnen Mitglieds am Kollektivgut, um so größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass dieses Mitglied einen so bedeutenden Anteil am Gesamtvorteil, den das Kollektivgut stiftet, erhalten wird, dass es für es vorteilhaft ist, für die Bereitstellung des Gutes zu sorgen, sogar dann, wenn es die gesamten Kosten selbst tragen muss.“[17] Problematisch ist jedoch, dass die Beschaffung suboptimal ausfallen wird, da das Interesse an der Beschaffung geringer wird, je eher die Kosten und das Nutzenbedürfnis der am stärksten engagierten Mitglieder gedeckt sind, während den übrigen Mitgliedern zugleich durch die kostenlose Bereitstellung der beschafften Güter der Impuls genommen wird, mehr von dem Gut beschaffen zu wollen. Olson schließt deshalb seine theoretische Überlegung mit der These ab, dass es institutioneller Vorkehrungen bedarf, um eine optimale Versorgung mit einem Kollektivgut mittels einer Organisation herbeizuführen. Dies gilt um so mehr, je größer die fragliche Gruppe ist.[18] „Je größer eine Gruppe ist, um so weniger wird ihr eine optimale Versorgung mit irgendeinem Kollektivgut gelingen, und um so unwahrscheinlicher ist es, dass sie so handelt, dass sie auch nur die kleinste Menge eines solchen Gutes erlangt.“

5. Suboptimalität eines allein auf Kollektivgütern basierenden Web 2.0

Olsons Theorie ist meines Erachtens nicht nur kompatibel zu den von der Betriebswirtschaft dargelegten Geschäftsmodellen und Wertschöpfungskonfigurationen im Internet, wie beispielsweise Community-Plattformen oder ähnlichen Informationssystemen, deren Informationen als so genannter „User generated content“ von deren Nutzern erstellt werden[19] – so wie es beispielsweise von Philipp Sebastian Rogge skizziert wird[20]. Olsons Theorie lässt vor allem auch die Vermutung und Begründung zu, dass die Bereitstellung von Informationen durch einzelne Nutzer solcher Plattformen begrenzt bleiben wird, denen im Rahmen der unter dem Stichwort „Web 2.0“ geführten Diskussion die größte Bedeutung beigemessen wird.

Die Internettechnologie und die auf ihrer Grundlage zur Verfügung gestellten Dienste, die Gemeinschaften (Communities), die sich auf der Grundlage solcher Dienste etablieren, die in diesen Gemeinschaften mittels den Diensten zustande gebrachte Abbildung kollektiven Wissens und realisierte kollektive Intelligenz können Kollektivgüter sein, aber nur bedingt als öffentliche Güter gelten. Eine Nutzung des durch das Internet kollektiv verfügbaren Wissens ist tatsächlich nicht-rival. Das Definitionsmerkmal eines öffentlichen Gutes, demzufolge niemand von der Nutzung ausgeschlossen werden kann, ist technisch aber nicht gegeben. Die Durchsetzbarkeit von Eigentumsrechten mag vielleicht in einzelnen Fällen juristisch unmöglich sein. Technisch aber besteht jederzeit die Möglichkeit, Individuen von der Nutzung internetbasierter Informationsgüter auszuschließen – insbesondere dann, wenn sie im Kontext von Infrastrukturen verfügbar gemacht werden, deren Geschäftsmodelle ihrer Betreiber auch noch dann oder gerade dann funktionieren, wenn sie sich als Clubs schließen oder in exklusive Güter umwandeln lassen. Die Kaskade „Infrastruktur, Community, kollektives Wissen, kollektive Intelligenz“ gilt nicht nur für Sphären, die als Kollektivgut zur Verfügung gestellt werden, sondern auch für solche, die als Clubgüter beschafft werden. Als Beispiel seien hier nur die auf Web 2.0-Technologie zurückgreifenden Intranetze großer Unternehmen oder kostenpflichtige Community-Portale genannt. Auch das Argument der leichten Kopierbarkeit digitalisierter Informationen, mit dem man versuchen könnte, den Versuch der Rücknahme einmal als Kollektivgut zur Verfügung gestellter Dienste oder Leistungen für unmöglich zu erklären, ist fadenscheinig. Entscheidend bleiben die Transaktionskosten. Online-Communities oder andere Dienste sowie im Internet verfügbare Informationen als öffentliche Güter zu bezeichnen, ist also mit Vorsicht zu genießen. Zweifelsohne aber handelt es sich um Kollektivgüter, solange sie willentlich als solche zur Verfügung gestellt werden.

Unabhängig aber von der Frage, inwiefern Infrastruktur, Dienste (z.B. Plattformen für Communities) und das in ihr geborgene Wissen als Kollektivgüter verfügbar gemacht werden, ist die Frage zu stellen, was für Wissen, d.h. was für Informationsgüter hier als Kollektivgüter verfügbar werden und auf welcher solchermaßen zustande gekommenen Informationsgrundlage kollektive Intelligenz realisiert wird. Auf der Grundlage Olsons Theorie lässt sich meines Erachtens nicht nur argumentieren, dass die Bereitstellung von Infrastruktur als Kollektivgut einer bestimmten Logik folgt (wie zum Beispiel der der Medienunternehmen, die Infrastruktur bereitstellen, um im Gegenzug in den Genuß von user-generated-content als Ersatz für kostenintensiv selbst zu produzierenden Content zu gelangen), sondern insbesondere die Bereitstellung von Informationen durch die Nutzer begrenzt sein dürfte. Wenn es unter dem Stichwort der „kollektiven Intelligenz“ beispielsweise um Entscheidungsfindung geht, stellt sich beispielsweise die Frage nach der Erstbeschaffung der den solchen Entscheidungen zugrunde liegenden Informationen – ein gerade im Bereich der Politik klassisches Problem. Und sofern man die „Koordination von dezentral verstreutem Wissen“ betrachtet, stellt sich die Frage, ob und unter welchen Bedingungen die Träger von Wissen ihr Wissen kodifizieren und als Kollektivgut zur Verfügung stellen werden, insbesondere dann, wenn sie ihren Lebensunterhalt mittels ihrer spezifischen Problemlösungskompetenz oder durch die Ausnutzung von Informationsasymmetrie verdienen, deren Grundlage jeweils der persönliche Besitz eines spezifischen Wissens ist. Ich stelle also nicht in Frage, ob im Internet Informationen oder Wissen (als vernetzte Information) bereitgestellt werden, sondern unter welchen Bedingungen, zu welchen Konditionen und – abhängig davon – in welchem Umfang.

Die Anwendung Olsons Theorie beispielsweise durch Rogge ist daher meines Erachtens erstaunlich verkürzt. Er erwähnt zwar Olsons Theorie und themenverwandt argumentierende Autoren, unterlässt aber eine bezogen auf den Anwendungsbereich konsequente Diskussion Olsons Theorie. Rogge macht kulturelle und technische Effekte geltend, die seines Erachtens über die „etablierten Grundsätze der Theorie kollektiver Handlungen“ hinausreichen. Infolgedessen sieht er sich in der Lage, nutzergenerierte Inhalte als Erlösquelle für Medienunternehmen zu überhöhen oder zumindest diese Möglichkeit sinnvoll zu begründen. Dieser scheinbar kreative Ansatz ist aber weniger ungewöhnlich, als man meint. Denn die Kritik an Theorien der rationalen Wahl („Rational Choice“) besteht schon immer zumeist darin, die Vollständigkeit der impliziten Vorstellung von Rationalität menschlichen Handelns in Frage zu stellen und die Möglichkeit eines kulturell co-determinierten Handelns zu thematisieren. Der menschliche Spieltrieb, die Möglichkeiten der Technik auszuloten[21] oder eine technisch bedingte Veränderung der zwischenmenschlichen Kommunikation, wie sie auch von Rogge thematisiert wird, können solche Determinanten menschlichen Handelns sein.

Rogge erkennt richtigerweise, dass das Internet zu einer Veränderung der Umwelt geführt hat, in der Mancur Olson sein theoretisches Modell einst entworfen hat. Rogge behält beispielsweise Recht, wenn er die gesunkenden Transaktionskosten auch auf den Bereich der gegenseitigen Kontrolle von Gruppenmitgliedern bezieht und daher die von Olson favorisierte kleine Gruppe nicht mehr grundsätzlich als Bedingung für die erfolgreiche Beschaffung von Kollektivgütern sieht.

Was Autoren wie Rogge aber zu übersehen scheinen ist Olsons Hinweis darauf, dass die Produktion von Kollektivgütern ein Problem der suboptimalen Versorgung mit bestimmten Gütern nach sich zieht. Daran scheint sich auch durch die dank des Internets gesunkenen Transaktionskosten nichts zu ändern. Olsons Theorie zufolge dürften in den verbreiteten und von der durchschnittlichen Web 2.0-Diskussion thematisierten Online-Communities sowohl die Produktion von Informationen, als auch die unmittelbar mit ihr verknüpften Wertflüsse arg begrenzt bleiben. Es lässt sich meines Erachtens aufzeigen, dass sich mit den derzeit diskutierten Online-Communities, deren Werttreiber die durch ihre Nutzer als Kollektivgüter zur Verfügung gestellten oder emergent erzeugten Informationen sind, bestimmte Informationsproduktions- und Wertschöpfungspotentiale überhaupt nicht erschließen lassen – sowohl in nicht-kommerziellen Online-Communities, als auch mit Geschäftsmodellen, die mittels der Schaffung von Online-Communities auf die Realisierung von Wertnetzwerken setzen. Unerschlossen bleibt genau genommen alles, was mit der Produktion und dem Handel mit Informationen zusammenhängt, die sich eben nicht als Kollektivgut beschaffen lassen. Anderes formuliert wird es für Medienunternehmer genau da interessant, wo das Internet all jene Vorteile bietet, die sich aus sinkenden Transaktionskosten ergeben und wo Olson zugleich Recht behalten wird. Autoren wie Rogge lassen dies außer Acht, weil sie Werbung als ultimative und vielversprechendste Erlösquelle sehen und dabei sowohl den Handel mit Informationen als auch die Möglichkeit der Provisionierung erfolgreichen Handels mit Informationen als mögliche Erlösquellen kategorisch ausschließen. Ich spekuliere über zwei mögliche Ursachen: Erstens existiert in etablierten Unternehmen die Erfahrung, dass, wie  und in welchem Umfang sich mit Werbung Geld verdienen lässt. Zweitens fehlt es an erfolgreichen Beispielen, wie es anders geht.

Der Irrweg, den zu verlassen sich lohnen wird, besteht darin, sich auf die Kreation von Information jenseits professioneller Routinen zu konzentrieren[22]. Ganz im Gegenteil wird es ökonomisch interessant werden darüber nachzudenken, unter welchen Voraussetzungen die Menge und Qualität der durch einzelne Nutzer bereitgestellten Informationen und der im Gegenzug zwischen Nutzern umgesetzten Summen über das Maß hinaus gesteigert werden kann, das in den bisherigen Online-Communities angesichts der Logik der Kollektivgutproduktion nicht überschritten werden wird. Dies aber setzt auch eine radikale Erweiterung des Nutzerbegriffs voraus. Sie besteht darin, vom Gegensatz zwischen Produzent und Konsument Abstand zu nehmen. Diese Aufgabe fällt Schumpeterschen Unternehmern zu und wird von all jenen zu verhindern versucht werden, die an der Aufrechterhaltung dieses Gegensatzes ein Interesse haben.

Je mehr sich unter Web 2.0-Revolutionären die Begeisterung für user generated content als kollektiven Gütern hält, desto sicherer darf sich die etablierte Medienwirtschaft fühlen. Wie Rogges Arbeit minutiös zeigt, haben Medienunternehmen alten Zuschnitts allen Grund, diese Begeisterung in der jetzigen Form weiter zu fördern. Sie erlaubt es, auch weiterhin etablierte Produktionssysteme als Garanten bestimmter Qualitätskriterien zu rechtfertigen, konserviert wesentliche Mechanismen des durch Printmedien geprägten Informationsmarktes und lässt Spielraum für Modifikationen der Geschäftssysteme und Erlösmodelle.


[2] Olson, Mancur: Die Logik kollektiven Handelns: Kollektivgüter und die Theorie der Gruppen. 2. durchges. Auflage. Tübingen 1992, S.13

[3] siehe Schmidt-Trenz, Jörg: Die Logik kollektiven Handelns bei Delegation. Das Organisationsdilemma der Verbände am Beispiel des Beitragszwangs bei den Industrie- und Handelskammern. Tübingen 1996 , S.27ff

[4] Schmidt-Trenz 1996, S.32

[5] Olson 1992, S.1

[6] vgl. Olson 1992, S.11

[7] Schmidt-Trenz 1996, S.51

[8] siehe Olson 1992, S.19f

[9] siehe Olson 1992, S.21

[10] vgl. Olson 1992, S.21ff

[11] Olson 1992, S.25

[12] vgl. Olson 1992, S.26

[13] Olson 1992, S.26

[14] Olson 1992, S.27

[15] siehe Olson 1992, S.27, Fussnote 47

[16] Olson 1992, S.32

[17] Olson 1992, S.33

[18] siehe Olson 1992, S.33ff

[19] Siehe bspw. Woratschek / Roth / Pastowski: Geschäftsmodelle und Wertschöpfungskonfigurationen im Internet. In: Marketing ZFP. Spezialausgabe “E-Marketing” 24 Jg. (2002), S.57-71 (Nr.1471); Kilian, Thomas; Hass, Bertold; Walsh, Gianfranco: Grundlagen des Web 2.0.In: Hass, Berthold; Walsh, Gianfranco; Kilian, Thomas (Hg.): Web 2.0. Neue Perspektiven für Marketing und Medien. Berlin 2008 (Nr. 1470)

[20] Rogge, Philipp Sebastian: Nutzergenerierte Inhalte als Erlösquelle für Medienunternehmen. Überarbeitete Fassung einer im WS 2006/2007 am Institut für Rundfunkökonomie an der Universität zu Köln betreuten Diplomarbeit. In: Arbeitspapiere des Instituts für Rundfunkökonomie. Köln, Juni 2007 (http://www.rundfunk-institut.uni-koeln.de/institut/publikationen/arbeitspapiere/ap230.php, Stand 24.04.2009)

[21] siehe hierzu Flusser, Vilém: Für eine Philosophie der Fotografie, 7. Auflage. Göttingen: European Photography, 1994

[22] siehe hierzu die Defintion der OECD laut Wikipedia, derzufolge „User generated content“ ein publizierter Beitrag ist, der zwar eine kreative Eigenleistung dartstellt, aber eben außerhalb „professioneller Routinen“ erstellt worden ist (http://de.wikipedia.org/wiki/User_Generated_Content, Stand 10.05.2009)

3 Kommentare

    Florian Dieckmann

    Ich denke, wofür sich ein betriebswirtschaftlich orientierter Medienökonomen beim „user generated content“ interessiert ist, dass sich die Personalkosten für die Produktion von Information sparen lassen, während sich zugleich Einnahmen aus Werbung erzielen lassen, deren Summe mit der Größe und spezifischen Zusammensetzung der Gemeinschaft dieser „user“ korreliert, weil es sich um Provisionen handelt, die Werbetreibende dafür zu zahlen bereit sind, dass sie ihre jeweils gewünschten Zielpublika zunehmend günstiger erreichen können.

    Es ist offensichtlich, dass die Diskussion in dieser Hinsicht vor allem von Presseunternehmen und nicht von Handelsunternehmen geführt wird – also von solchen Unternehmen, die von Werbung leben, statt von der Provision für das Zustandebringen der unmittelbaren Transaktion, wie es für den Handel spezifisch ist.

    Bemerkenswert dabei ist, dass, sollte es tatsächlich ein solches Orientierungsmuster unter betriebswirtschafltich orientierten Medienökonomen aus dem Bereich der Presse geben, dies scheinbar dazu führt, dass die Entwickler der Plattformen, die „user generated content“ ermöglichen und provozieren sollen, sich eher für Verhaltenstheorien interessieren, d.h. für sozial-psychologische, soziologische oder andere Phänomene, die die Neigung zur Nutzung von Communities steigern, als für nutzerseitige Nutzenkonzepte, Verwendungszusammenhänge oder gar Wertschöpfungsketten, in deren Kontext die zu entwickelnden Plattformen einen funktionalen Mehrwert bieten können. Anders ausgedrückt halte ich es mittlerweile für möglich, dass das strategische Management von Pressemedienunternehmen aufgrund bestimmter Pfadabhängigkeiten (aus dem werbe- und absatzwirtschaftlichen Denken kommend) nur in seltenen Fällen darüber nachdenkt, was ihr Medium als Produkt für ihren Kunden genau genommen leistet und – angesichts einer steigenden Zweckrationalität der individuellen Mediennutzung infolge des Wandels hin zur Informationsgesellschaft als einer Wirtschaftsform – leisten soll. Statt also über Prozesse nachzudenken, die zwischen den Nutzern einer Informationsgesellschaft vonstatten gehen und internetbasierte Werkzeuge zu entwerfen, die diese Prozesse zugunsten der Nutzer optimieren, scheinen überwiegend „Verhaltenstheorien“ gefragt zu sein, weil man wissen möchte, wie man eine möglichst große und lebendige „Community“ mit einem spezifischen thematischen Fokus schaffen kann. Eine solche Diskussion, die erkennbar werbewirtschaftlich oder anders einfach gestrickt durch die Hoffnung auf Netzeffekte motiviert ist, bleibt furios hinter dem zurück, was kreativer Weise möglich und nötig wäre. Salopp gesagt: Die aus dem Bereich von Pressemedien stammenden Medienunternehmen sind ziemlich hohl.

    Ein Beispiel, an dem sich zeigen lässt, was ich damit meine, scheint mir seit jeher Ebay zu sein. Sofern es bei Ebay eine Community überhaupt gibt, so ergibt sie sich aus einem konkreten Nutzen, den die Nutzer im Rahmen von Prozessen des Handels haben, der zwischen ihnen stattfindet. Sicherlich wird dabei „user generated content“ geschaffen – bspw. in Form von Warenbeschreibungen. Aber er ergibt sich aus den Bedürfnissen des Handels und er ist als Information jenseits des Handels praktisch wertlos. Im Bereich von Pressemedienunternehmen liegen die Dinge bislang anders. Ist der zwischen den Nutzern ablaufende Prozess bei Ebay der Handel, lässt sich der zwischen den Nutzern bei Medienunternehmen, die aus dem Bereich Presse, Funk und Fernsehen kommen, dieser Prozess nicht benennen. Und er ist dementsprechend auch nicht mit ebenso klaren und weitverbreiteten Vorstellungen verbunden, worin die Rollen bestehen und worin der jeweils individuelle Nutzen. Spiegelonline, myspace, studivz, twitter etc. pp. sind für den Einzelnen funktional hochgradig nutzlos. Sie halten sich vermutlich nur deshalb so gut, weil es ihnen im Rahmen einer Mode, einer Momentaufnahme kultureller Entwicklung gelingt, sich zu einem Teil der individuellen Sinnkonstruktion zu machen. Sie erreichen eben dort ihre Grenze, wo sie auf Menschen stoßen, deren Sinnkonstruktion und Lebensvollzüge auch ohne sie funktionieren. Heute und später sowieso. Ähnlich eben, wie es für die inhaltlos und persönlich uninteressant gewordene Zeitung der Fall ist. Um an die bereits oben beklagte Hohlheit anzuschließen: Hier irgendwo ist auch der Grund zu sehen, warum Pressemedienunternehmen und Pressemedienunternehmensangehörige („Journalisten“) so sehr darauf angewiesen sind, sich als Notwendigkeit des politischen bzw. gesellschaftlichen Lebens darzustellen, ohne dieses „politische Leben“ als einen tatsächlich individuell zugänglichen Prozess beschreiben zu können oder – noch konkreter – tatsächlich zugänglich und individuell nutzbringend machen zu können.

    Journalisten sind auch nur User. Warum also nutzergenerierte Inhalte nur als kostenlos verfügbare Kollektivgüter betrachten? | Der Dieckmann

    […] greift die Theorie kollektiven Handelns Mancur Olsons auf und betont die durch Technik erweiterte Leistungsfähigkeit der Kollektivgüterproduktion, die […]

    Warum man sich auf Gisela Schmalz’ “Yes Economy” einlassen kann. | Der Dieckmann

    […] Florian (2009): Ökonomische Suboptimalität des Web 2.0. http://www.derdieckmann.de/?p=1043, 10.05.2009, Stand […]

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