Energiebedarf
Der Energiebedarf setzt sich zusammen aus
- dem Grundumsatz
- dem „thermischen Effekt“ durch Verdauungsprozesse und Wärmebildung
- dem Leistungszuschlag
Für den Grundumsatz kann man für die Tätigkeit von Gehrin, Leber und inneren Organen einen Verbrauch von ca. einer Kalorie pro Kilogramm Körpergewicht und Stunde annehmen (1 kcal * kg * h).
Bei der Aufnahme von Nährstoffen während der Verdauung, ihrem Transport und ihrer Speicherung in Leber, Muskulatur und Fettgewebe geht unserem Körper Energie in Form von Wärmebildung verloren. Bei der Verwertung von Fetten ca. 3-4% der mit der Nahrung aufgenommenen Energie, bei der Verwertung von Kohlenhydraten ca. 6% und bei der Verwertung von Proteinen ca. 20-30%. Darüber hinaus kommt es bei der Nahrungsaufnahme zur Streuung von Wärme durch andere Stoffwechselprozesse. Dies wird auch als „Energiedissipation“ bezeichnet. Der Körper kann dabei unter Einsatz von Sauerstoff Energie unmittelbar in Wärme umsetzen. Es ist ihm dadurch möglich, eine Zunahme an Körpermasse zu vermeiden. Unter anderem lässt sich der Unterschied zwischen „guten und schlechten Futterverwertern“ hierauf zurückführen. Das Auftreten der Energiedissipation ist unter anderem vom Sättigungs- und Appetitgefühl abhängig. Solange der Appetit überwiegt, wird die mit der Nahrung zugeführte Energie gespeichert. Sportler bleiben also auch schlank, weil sie aufgrund ihres optimierten Energiestoffwechsels weniger Appetit haben und sich bei ihnen ein höheres Sättigungsgefühl einstellt.
Der Leistungszuschlag entspricht der Menge an Kalorien je Kilogramm Körpergewicht, die für die Bewegung erforderlich ist. So verbraucht beispielsweise Gehen bei 6km/h ca. 2,8 kcal*kg*h, Radfahren bei 20km/h ca. 5,3 kcal*kg*h, Bodybuilding mittels Geräten ca. 8 kcal*kg*h, Schwimmen bei 2km/h ca. 9,1 kcal*kg*h und Joggen bei 10km/h ca. 9,6 kcal*kg*h.1
Mit diesem Rechenmodell, bestehend aus Grundumsatz, thermischen Effekt und Leistungszuschlag, lässt sich der individuelle Kalorienbedarf näherungsweise bestimmen. Im Internet findet man viele derartige Kalorienbedarfs-Rechner, die auch weitere Faktoren wie Lebensalter, Geschlecht, Körperfettanteil und Bewegungsintensität berücksichtigen.
| Frauen | Männer | |||||
| Alter | Mittlere Energie-zufuhr laut Statistik in Kilokalorien
(kcal) |
Empfehlungs-richtwert für normal-gewichtige Erwachsene mit mittlerer körperlicher Aktivität
(kcal) |
Empfehlungs-richtwert für normal-gewichtige Erwachsene mit geringer körperlicher Aktivität
(kcal) |
Mittlere Energie-zufuhr laut Statistik in Kilokalorien
(kcal) |
Empfehlungs-richtwert für normal-gewichtige Erwachsene mit mittlerer körperlicher Aktivität
(kcal) |
Empfehlungs-richtwert für normal-gewichtige Erwachsene mit geringer körperlicher Aktivität
(kcal) |
| 18 – 29 | 2.060 | 2400 | 2000 | 3245 | 3000 | 2600 |
| 30 – 39 | 2.026 | 2300 | 1900 | 2763 | 2900 | 2500 |
| 40 – 49 | 1.932 | 2300 | 1900 | 2622 | 2900 | 2500 |
| 50 – 59 | 1.853 | 2000 | 1800 | 2374 | 2500 | 2300 |
| 60 – 69 | 1.746 | 2000 | 1800 | 2173 | 2500 | 2300 |
| 70 – 79 | 1.633 | 1800 | 1700 | 2029 | 2300 | 2000 |
Tabelle 2: Mittlere tägliche Energiezufuhr nach Alter und Geschlecht gemäß statistischer Daten (1998) und Richtwerte (2000)2
Es ist interessant, die statistisch ermittelte Energiezufuhr nach Alter und Geschlecht in Deutschland mit der Darstellung der Übergewichtigen und Fettsüchtigen zu vergleichen. (siehe hierzu auch das Unterkapitel “Übergewicht und Untergewicht“) Deutlich ist der Zusammenhang zwischen Überernährung und Übergewicht nach Alter und Geschlecht zu erkennen. Zum Beispiel die deutlich erkennbare Übernährung der Männer gerade in jungen Jahren. Übergewicht und Fettsucht (Adipositas) werden dabei mittels des Body-Mass-Index (BMI) ermittelt:

Quelle: Künast, Renate; Schumacher, Hajo (2004): Die Dickmacher: warum die Deutschen immer fetter werden und was wir dagegen tun müssen. München 2004, S.43
1 Günter Schnabel, Hans-Dietrich Harre, und Jürgen Krug, Hrsg., Trainingslehre – Trainingswissenschaft : Leistung, Training, Wettkampf, [Neuaufl., aktualisiert und erw.]. (Aachen: Meyer & Meyer, 2008), 482ff.
2 Gesundheitsberichtserstattung des Bundes, “Ernährung, Energiezufuhr. Mittlere tägliche Energiezufuhr nach Alter, Sozialschicht und Geschlecht, Deutschland, 1998,” 1998, Gesellschaften für Ernährung in Deutschland, Hrsg., Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr, 2000.