Insulinschaukel und Zuckerkrankheit

Anhaltende Übernährung kann insbesondere Diabetes zur Folge haben – auch Zuckerkrankheit genannt. Sind die Zellen mit Glukose übersättigt und nehmen sie daher keine Glukose mehr an, spricht man von Insulinresistenz. Der Körper versucht, diese Insulinresistenz der Zellen durch vermehrte Insulinproduktion zu meistern. Die Folge ist entweder das Symptombild der Unterzuckerung – auch Hyperglykämie oder nur „Hypo“ genannt – oder aber die Erschöpfung der insulinproduzierenden Zellen mit der Folge, dass kein oder nur noch sehr wenig Insulin produziert wird. In diesem Fall spricht man von Diabetes mellitus1 In diesem Fall kann man die Ausscheidung von Zucker im Urin nachweisen.

Heißhunger ist eine schwache Form der Unterzuckerung. In diesem Fall verweisen Diätratgeber auch auf den Begriff der Insulinschaukel. Werden kohlenhydratreiche Lebensmittel mit hohem glykämischen Index verzehrt, erreicht die Insulinproduktion ein erhöhtes Niveau. Die Menge der aufgenommenen Glukose wird dann von der erhöhten Insulinmenge im Blut rasch verstoffwechselt. Der Blutzuckerspiegel sinkt dabei unter das notwendige Niveau, weil mehr Insulin zur Verfügung steht, als für die zu bewältigende Glukosemenge notwendig gewesen wäre. Wir bekommen wieder Hunger, obwohl wir erst kürzlich gegessen haben. Essen wir dann erneut kohlenhydratreiche Kost, zum Beispiel einen Schokoriegel, eine Pizza oder einen Burger oder trinken einfach einen „Energy-Drink“, holt die Insulinschaukel wieder Schwung. Aus der Sicht der Ernährungswirtschaft ist das natürlich ein Wachstumstreiber. Aus der Sicht des Marketingverantwortlichen eines Nahrungsmittelsunternehmens gilt es einfach, möglichst viele Leute auf die Insulinschaukel zu setzen. Einfachzucker und Auszugsmehle gestatten dabei die Kreation von Lebensmitteln mit geringen Herstell- und Lagerkosten, potentiell interessanten Margen und einem gewissen Abhängigkeitspotential.

Das Phänomen der Unterzuckerung kann aber so stark ausfallen, dass eine Mangelversorgung des Gehirns mit Glukose eintritt.  Dann kann es zu Schwäche, Zittern, Platzangst, Koordinationsstörungen, Verwirrtheit, Konzentrationsschwäche, Vergesslichkeit, Stimmungsschwankungen, Gereiztheit, Depressionen, Ängsten, Zittern, Schwitzen, Kopfschmerzen oder Sehstörungen, im schlimmsten Fall sogar zu Bewußtlosigkeit kommen. Symptom einer Unterzuckerung ist aber auch, wenn man nicht mehr aufhören kann zu naschen und wenn 2 bis 3 Stunden nach einem kohlenhydratreichen Essen Hunger, Gereiztheit und Fressanfälle auftreten. Auch Müdigkeit kann ein Symptom für Unterzuckerung sein. Hierzu zählen Müdigkeit und Niedergeschlagenheit morgens nach dem Aufstehen auch nach langem Schlaf, Nachmittagsschläfrigkeit, unwillkürliches Einschlafen beim Fernsehen oder im Büro sowie Müdigkeit 2 bis 3 Stunden nach kohlenhydratreichen Mahlzeiten.2

1 Erich Rauch und Peter Myr, Die Kohlenhydrat-Falle : was an den gängigen Ernährungslehren falsch ist essen, was Ihr Körper wirklich will wie Sie in 4 Schritten Ihre Ernährung revolutionieren und Ihre Gesundheit (Stuttgart: Haug, 2003), S.45.

2 Ebd., S.48.