Krafttraining hat je nach Art des Krafttrainings drei spezifisch unterschiedliche physiologische Anpassungsleistungen des Körpers zur Folge: Es kommt erstens zum Kraftanstieg und zum Aufbau der Muskulatur, zweitens zu einer Veränderung des Hormonstoffwechsels und drittens zur Erhöhung der in den Muskeln gespeicherten Menge an Glykogen.

Der Kraftanstieg durch Krafttraining ist in den ersten Wochen eines kontinuierlichen Trainings auf die Verbesserung der neuromuskulären Koordination zurückzuführen. Nach nur vier bis acht Trainingseinheiten können sich Verbesserungen von 40-120% einstellen. Ein weiterer Kraftanstieg geht dann mit der Zunahme des Muskelquerschnitts einher. Dies geschieht durch Belastung in Folge der mechanischen Zerstörung von Muskelstrukturen. Im Detail besteht die Muskelfaser ihrerseits aus den sogenannten Myofibrillen. Diese wiederum sind eine Aneinanderreihung der Sarkomere. Sarkomere sind diejenigen Einheiten, die sich mittels chemischer Prozesse verkürzen können. Die Kupplung zwischen den Sarkomeren nennt man Z-Scheibe. Die Verkürzung der aneinander gekoppelten Sarokomere macht in Summe die Kontraktion und deren Kontraktion des gesamten Muskels aus. Wird nun der Muskel im Training maximalen Belastungen ausgesetzt, werden einzelne Sarkomere und Z-Kupplungen mechanisch zerstört. Die Myofibrille, in denen die Sarkomere wie an einer Perlenkette aneinander hängen, bekommt dabei eine Aufspleißung. Diese wird dann vom Körper repariert und verstärkt – der Muskel wächst. Dieser Vorgang wird als Hypertrophie bezeichnet. Maximalkrafttraining führt dabei nicht nur zur Zunahme der Muskelmasse, sondern auch zur Zunahme der Bindegewebe, Bänder und Sehnen sowie zu einer Erhöhung der Dichte und Masse der Knochen.1

Krafttraining führt aber nicht allein zum Muskelaufbau, sondern, in diesem Zusammenhang auch zum Anstieg wachstumsförderlicher, also anabol wirksamer Hormone.2 Dies gilt für Krafttraining hoher Beanspruchungsintensität mit ca. 85-95% der maximalen Belastung, die der jeweilige Muskel nur einziges Mal im Rahmen eines vollständigen Bewegungsablaufs bewegen kann – dem sogenannten Einer-Wiederholungs-Maximum (EWM). Der Anstieg wachstumsförderlicher Hormone ist jedoch ebenso beim Training mit moderaten Beanspruchungsintensitäten zu mit hoher Wiederholungszahl und kurzen Pausen zwischen den Serien von 30 bis 60 Sekunden zu beobachten.

Da beim Krafttraining die Energie für die Muskelarbeit überwiegend anaerob-alaktazid und anaerob-laktazid gewonnen wird, führt Kraftraining langfristig zur Erhöhung des muskulären Muskelglykogengehalts. Hierdurch ergeben sich mehrfach Wechselwirkungen mit dem Ausdauertraining. Während das Ausdauertraining die aerobe Ausdauerfähigkeit verbessert, steht durch Krafttraining mehr Kraft zur Verfügung. Gleichzeitig verbessert Kraftraining die anaerobe Ausdauerleistungsfähigkeit durch eine verbesserte Speicherung von Glykogen in den Muskeln.3

1 Norbert Olivier, Franz Marschall, und Dirk Büsch, Grundlagen der Trainingswissenschaft und -lehre (Schorndorf: Hofmann, 2008), S.117f.

2 Ebd., S.118f.

3 Ebd., S.257: Abbildung 60.