Zukunft des Journalismus: öffentliche Umlagefinanzierung versus Wandel der Geschäftsmodelle

In diesem Beitrag will ich kurz ein paar Fundstellen notieren, die ich nach dem erneuten Lesen in dem Blog Amy’s Welt von Anna-Maria Müller in Erinnerung behalten und zu meinen Überlegungen in Beziehung setzen möchte. Nachdem ich nun in Amy’s Welt immer mehr interessante Gedanken und Hinweise finde, muss es einfach raus: Ich bin beeindruckt! Ich denke, zu einem treuen Leser zu werden. Weiterlesen

Wie junge Deutsche die deutsch-französische Freundschaft ausbaden

Am Montag, den 16.02.2009 schreibt Max Bosse in der Süddeutschen Zeitung:  „Schnee aus Deutschland. Wie junge Franzosen die Sprache ihrer Nachbarn kennen lernen.“ (SZ Nr.38, 16.02.2009, S.36 [Schule und Hochschule], siehe auch die SZ Online). In dem Artikel beschreibt Bosse die Arbeit der Animateure des DeutschMobils, die mit Ihren Aktionen an französischen Schulen für die deutsche Sprache werben und gegen rückläufige Deutschlernerzahlen ankämpfen. Leider versäumt er die Chance, erstens den Grund dieses rückläufigen Interesses an der deutschen Sprache aufzudecken. Zweitens fehlt jedes Nachdenken über die Hintergründe der Aktion. Gerade hier würde ein wenig mehr kritische Berichterstattung gut tun.  Hier mein Leserbrief an redaktion@sueddeutsche.de. Weiterlesen

Orientierungslos in der Informationsgesellschaft

„Ein Leben ohne Fernseher ist in der Regel ein glücklicheres, besser informierteres, menschlicheres“, schreibt Rahim Taghizadegan in seinem bemerkenswerten Essay „Information statt Deformation“ am 12.03.2008. Laut Taghizadegan macht es keinen Sinn, fernzusehen, Zeitungen oder Blogs zu lesen, solange wir für die vermittelten Inhalte keine Verwendung haben. Wofür aber haben wir Verwendung? Im folgenden versuche ich, Taghizadegans Gedankengang in eigenen Worten nachzuvollziehen und durch eine kritische Würdigung zu ergänzen, indem ich seine Gedanken mit dem Bereich der politischen Kommunikation in Verbindung bringe. Weiterlesen

Im Web wird doch mehr gelesen als geschrieben

Unter dem Titel „Was von der Zukunft geblieben ist“ vergleicht Thomas Roessing die sieben Thesen von Margot Berghaus, die sie 1997 in ihrem Aufsatz „Was macht Multimedia mit Menschen, machen Menschen mit Multimedia?“ aufgestellt hat. Für mich ist hier vor allem interessant zu lesen, in welchem Verhältnis lesen und schreiben, d.h. Konsumtion und Produktion von Inhalt stehen.

Angesichts der Entwicklungen in dem Bereich, der mit demSchlagwort Web 2.0 assoziiert wird, scheint Berghaus‘ These aus dem Jahr 1997 durchaus zutreffend zu sein: „Das traditionelle Massenmedienmodell gilt nicht mehr: „‘Sender‘, ‚Medium‘ und ‚Empfänger‘ (‚Publikum‘) werden demontiert“ (Berghaus 1997: 77). „Mitmach-Web“ und Web 2.0 sind in aller Munde, der Rezipient scheint endgültig den Schritt zum Kommunikator getan zu haben: Blogs, Wikipedia, Medienplattformen wie Youtube und Produktbewertungsseiten leben vom Engagement der Nutzer, User-Generated-Content ist zentrales Merkmal des Phänomens hinter dem Schlagwort Web 2.0 (Kilian/Hass/Walsh 2008). Bei näherer Betrachtung zeigt sich jedoch, dass nicht nur das Schlagwort einen Entwicklungssprung vorgaukelt, der sich in Wirklichkeit lediglich als eine kontinuierliche Entwicklung darstellt. Auch die Bedeutung der von Nutzern bereitgestellten Inhalte wirkt wie durch die Lupe der YouTube-Euphorie vergrößert. Nur ein geringer Teil der Nutzer der Web 2.0-Plattformen trägt selbst etwas bei: sieben Prozent bei Videoportalen, 25 Prozent bei Weblogs, sechs Prozent bei Wikipedia (laut ARD/ZDF-Onlinestudie, Gscheidle/Fisch 2007: 401), der Löwenanteil der Nutzer besteht weiterhin aus klassischen Nur-Rezipienten, „Lurkern“ im Jargon des Internet.

Ich habe hierzu zwei Gedanken. Erstens erkenne ich auch hier die ökonomische Frage, was Nutzer davon haben, Inhalte zu produzieren, um sie als Kollektivgüter zur Verfügung zu stellen. Dies habe ich bereits unter der Überschrift „Kein Geld im Web2.0 aufgrund mangelnder Marktinnovation?“ angesprochen. Deshalb empfinde ich es als Bestätigung meiner dortigen Überlegung, wenn Roessig in seinem Fazit schreibt:

In zehn Jahren hat sich im World Wide Web vieles geändert, manches rasant, anderes nur allmählich. Das Web hat die Medienlandschaft gewandelt aber nicht revolutioniert, es hat aus Rezipienten Kommunikatoren gemacht, wenn auch nicht in dem Ausmaß, das der Hype um Web 2.0 nahe legt.

Zweitens aber muss man einräumen, dass es doch recht viel ist, wenn 25 von 100 Weblog-Autoren nicht nur einen fremden Inhalt wiedergeben, sondern etwas selbst produziertes zur Verfügung stellen. Zum Vergleich: Wieviel Prozent der Tageszeitung oder des Fernsehprogramms stammen denn von den Lesern/Zuschauern?

Notizen zu Thomas Leifs Buch „Beraten und verkauft. McKinsey & Co. – der große Bluff der Unternehmensberater“

Auf die Fährte von Thomas Leifs Buch „Beraten und verkauft“ bin ich bei der Lektüre einer Kritik des Hamburger Programms der SPD gestoßen. Genau genommen: Durch die Lektüre der Kritik zum Programm im Hessenreport Nr.40 – dem Informationsorgan der SPD in deren Bezirk Hessen-Süd. Denn darin äußert sich der Vorsitzende der Grundsatzprogrammkommission der SPD Hessen-Süd, Harald Lührmann (a). Ein Unternehmensberater. Weil ich Lührmanns Artikel im Hessenreport ausgezeichnet finde, will ich mehr über Lührmann erfahren. Dabei stoße ich im Internet auf Leifs Buch, in dem Lührmann im Interview Auskunft über seine Branche gibt (b). Lührmann berät u.a. Versorgungsunternehmen und scheint von den Erfahrungen zu zehren, die er als Kämmerer der Stadt Gießen und als Vorstandsvorsitzender der Kasseler Versorgungs- und Verkehrsbetriebe gesammelt hat (c). Gerade auf diesem Wege auf Leifs Buch aufmerksam geworden zu sein, ist nicht ohne Ironie. Denn Leif kritisiert insbesondere die Rolle von Beratern im Bereich der öffentlichen Hand und der Politik. Weiterlesen

Kein Geld im Web2.0 aufgrund mangelnder Marktinnovation?

Ich behaupte, dass man als einzelner Anbieter von Informationen und Wissensarbeit ohne Investitionen, die die Möglichkeit eines durchschnittlichen Angestellten nicht überschreiten, im Internet bis heute in der Regel nicht ausreichend Geld verdienen kann, um hiervon zu leben. Dies liegt meines Erachtens aber nicht in der Natur der denkbaren Produkte oder Märkte begründet, sondern in dem Fehlen geeigneter Marktplätze, die dank der Minimierung der Transaktionskosten entsprechend funktionstüchtige Märkte überhaupt erst ermöglichen, die jedermann zugänglich sind und deren geringe Markteintrittsbarrieren jedermann mit geeigneter Qualifikation reale Einkommenschancen eröffnen. Deshalb frage ich, wer über die Entwicklung von Märkten und Marktplätzen für Informationen und Wissen im Internet und über die Lösung ihrer philosophischen und technischen Probleme nachdenkt und unter welchen Aspekten dieses Nachdenken betrachtet werden muss. Weiterlesen

Campus und Karriere: Eine bildungspolitische Propagandasendung im öffentlich-rechtlichen Rundfunk?

Ich schätze den Deutschlandfunk sehr und zahle vor allem deshalb auch gern meine GEZ-Gebühren. Ärgerlich finde ich allerdings die Sendung Campus & Karriere. Campus und Karriere sendet täglich eine Beschreibung der Campi und Karrieren, die meines Erachtens großen Teilen der Wirklichkeit nicht gerecht wird. Campus und Karriere scheint sich mit den Interessen ausgewählter Akteure der Hochschullandschaft und des Personalmarktes gemein zu machen und verzichtet offenkundig auf die tiefer gehende Reflektion gesellschaftlicher Probleme und Missstände in diesen Bereichen. Es handelt sich allem Anschein nach um eine bildungspolitische Propagandaveranstaltung, wie sie im Bereich des öffentlich-rechtlichen Rundfunks meines Erachtens nichts zu suchen hat. Weiterlesen