Warum man sich auf Gisela Schmalz‘ „Yes Economy“ einlassen kann.

In ihrem Buch „No Economy: Wie der Gratiswahn das Internet zerstört“ bricht Gisela Schmalz mit der Begeisterung für die Kostenlosigkeit von Gütern und Leistungen im Web. Ausführlich legt sie die Treiber des Status Quo dar und warnt davor, die Entwicklung des Internets als Raum neuer wirtschaftlicher Möglichkeiten zu verspielen. Ihre Kritik richtet sich einerseits gegen die Subvention digitaler Güter durch Staat, Stiftungen, Risikokapitalgeber und Werbekunden, andererseits gegen einen vermeintlichen Gratiswahn der Nutzer. Vor dem Hintergrund einer Analyse verschiedener ökononomischer Modelle plädiert sie für eine selbsttragende wirtschaftliche Entwicklung des Internets ohne Subventionen – für ein „Yes Economy“. Im folgenden resümiere ich ihre Kritik an die Adresse der Webunternehmer und Risikokapitalgeber, schlage jedoch eine mir sinnvoll erscheinende Relativierung der Kritik an den Nutzern auf der Grundlage der Theorie kollektiven Handelns vor. Zur Unterstützung des Plädoyers für nutzergetriebene Mikromärkte scheint mir zudem die Ergänzung angebracht, auf nutzerseitige Wertschöpfungsketten zu fokussieren. Weiterlesen

Ökonomische Suboptimalität des Web 2.0

Warum werden im Internet Dienste und Informationen kostenlos für jedermann zur Verfügung gestellt? Unter welchen Bedingungen ist das überhaupt der Fall? Auf der Suche nach Antworten auf diese Fragen lohnt die Diskussion der Theorie kollektiven Handelns von Mancur Olson. Olsons Theorie zufolge kommt es nur dann zur kostenlosen Bereitstellung von Diensten und Informationen für jedermann, wenn der Nutzen der Beschaffung und Bereitstellung, den die Beschaffenden hiervon haben, die Kosten übersteigt, die diese hierfür allein zu tragen haben. Denn da es in der Natur des Gutes liegt, es nutzen zu können, sobald es verfügbar ist, ohne von der Nutzung ausgeschlossen werden zu können, werden Andere sich nicht an den Kosten seiner Beschaffung beteiligen. Weiterlesen

Kilian, Thomas; Hass, Bertold; Walsh, Gianfranco: Grundlagen des Web 2.0.

In: Hass, Berthold; Walsh, Gianfranco; Kilian, Thomas (Hg.): Web 2.0. Neue Perspektiven für Marketing und Medien. Berlin 2008 (Nr. 1470)

Die Autoren verfolgen das Ziel eines „gemeinsamen Verständnisses“ des Begriffs „Web 2.0“ in „Wirtschaft, Wissenschaft und Öffentlichkeit“. (Kilian u.a. 2008, S.4f) Sie gehen davon aus, dass Web 2.0 aufgrund des Stands der Technologie, der Akzeptanz und der Verbreitung bei den Nutzern ein „nachhaltiges Phänomen“ ist (Kilian u.a. 2008, S.19), dass in die Phase der Konsolidierung eintreten wird oder eingetreten ist und zur „Transformation ganzer Branchen“ führen wird (Kilian u.a. 2008, S.4). Weiterlesen

Subversion heute. Fusts‘ Reaktion auf Jessens traurige Streber.

Manchmal wiederhole ich spaßeshalber Suchen bei Google, durch die andere hier her gelangt sind. Auf diese Weise lernt man die digitale Nachbarschaft kennen. So zum Beispiel einen Text von Boris Fust, Autor eines Romans über Generation Praktika, der wie ich mit einem Kommentar auf den Beitrag „Die traurigen Streber“ von Jens Jessen in der Zeit reagiert hat. Fust vermutet, dass Jessen und Co. bloß sich selbst und ihre Generation zum Maßstab der Jüngeren erheben, ansonsten aber keine Ahnung haben. Dann skizziert er seine Variante der Subversion, deren Wirkungsmechanismen er zwar nicht zu beweisen versucht, von der man aber nicht behaupten kann, nicht schon einmal davon gehört zu haben. Dabei gelingt Fust ein Wurf, der sich inhaltlich bewahrheiten könnte. Hier ein Auszug: Weiterlesen

Wimmer, Jeffrey: Gegenöffentlichkeit 2.0: Formen, Nutzung und Wirkung kritischer Öffentlichkeiten im Social Web.

In: Zerfaß/Welker/Schmidt (Hg.): Kommunikation, Partizipation und Wirkungen im Social Web. Bd.2, Köln 2008, S.210-230 [1392]

Wimmer begreift den klassischen Begriff „Gegenöffentlichkeit“ als „öffentlichkeitswirksame Aktionen der neuen sozialen Bewegungen“ (S.210). Er definiert ihn ferner als „gegen eine hegemoniale Öffentlichkeit gerichtete Teilöffentlichkeit, die um einen spezifischen gesellschaftlichen Diskurs oder Standpunkt herum strukturiert ist“ (S.213). Solche Gegenöffentlichkeiten sieht er aufgrund des politökonomischen Wandels, des gesellschaftlichen Wandels und mit ihm verbundenen Möglichkeiten für politische Kollektivakteure sowie aufgrund des medientechnischen Wandels im Aufwind. Für Ausschlaggebend hält er aber nicht die Technik, sondern die Integration der neuen Medien in die „politische Praxis der Aktivisten“. Er stellt dann die Frage, inwiefern das Social Web „neuartige Formen von Gegenöffentlichkeit“ erlaubt. Weiterlesen

„Die traurigen Streber“ lesen zu viel Die Zeit

Heute, den 28.08.2008, titelt Die Zeit „Jugend ohne Charakter! Karrieredruck und Zukunftsangst haben eine angepasste Generation hervorgebracht“ und bringt auf S.43f eine „Polemik“, flankiert von einer Art „Kulturgeschichte“ des „Heranwachsens“. Das finde ich kurios. Denn an anderer Stelle habe ich dargelegt, warum von einer Mitschuld der diesen Artikel publizierenden Verlagsgruppe ausgegangen werden kann. Ich halte es für müßig, sich im Detail mit den einzelnen Anspielungen und Thesen dieser „Polemik“ auseinanderzusetzen. Zu entdecken gilt es nicht den Inhalt der Polemik, sondern inwiefern die herausgebende Verlagsgruppe an dem hier thematisierten gesellschaftlichen Phänomen im Rahmen der Bearbeitung ihres Marktsegments der 20 bis 30-jährigen beteiligt ist. Statt Details der Polemik zu analysieren, finde ich es sinnvoller, im Folgenden über das Konstruktionsprinzip und das vermutliche Kalkül eines solchen Artikels nachzudenken. Weiterlesen

„Elite“ und „Karriere“ als Fiktion des Personalmarketings und Geschäftsfeld der Medienwirtschaft

Karriere-Magazine beschäftigen mich schon seit Beginn meines Studiums. Als ich im Jahr 2000 daran arbeitete den Mut aufzubringen, mein erstes Studium abzubrechen, habe ich mir eines dieser Karriere-Magazine aufgehoben (1). Noch heute zeige ich Freunden gerne dieses Heft, weil es ein zeitloses Dokument einer fiktiven Erfolgsgesellschaft ist. Die Wirklichkeit sieht anders aus, wie nicht nur die persönliche Erfahrung zeigt, sondern auch die Sozialstudien des Studentenwerks. Seither interessiert mich, wie es zu dieser unheilvollen Fixierung auf bestimmte Lebensmuster kommt, die einem auf allen möglichen Kommunikationskanälen nahe gelegt werden und die angeblich mit „Karriere“ zu tun haben. Die Antwort liegt im Bereich der Verbindung von Marketing-, Personal- und Medienwirtschaft. Weiterlesen

Notizen zu Thomas Leifs Buch „Beraten und verkauft. McKinsey & Co. – der große Bluff der Unternehmensberater“

Auf die Fährte von Thomas Leifs Buch „Beraten und verkauft“ bin ich bei der Lektüre einer Kritik des Hamburger Programms der SPD gestoßen. Genau genommen: Durch die Lektüre der Kritik zum Programm im Hessenreport Nr.40 – dem Informationsorgan der SPD in deren Bezirk Hessen-Süd. Denn darin äußert sich der Vorsitzende der Grundsatzprogrammkommission der SPD Hessen-Süd, Harald Lührmann (a). Ein Unternehmensberater. Weil ich Lührmanns Artikel im Hessenreport ausgezeichnet finde, will ich mehr über Lührmann erfahren. Dabei stoße ich im Internet auf Leifs Buch, in dem Lührmann im Interview Auskunft über seine Branche gibt (b). Lührmann berät u.a. Versorgungsunternehmen und scheint von den Erfahrungen zu zehren, die er als Kämmerer der Stadt Gießen und als Vorstandsvorsitzender der Kasseler Versorgungs- und Verkehrsbetriebe gesammelt hat (c). Gerade auf diesem Wege auf Leifs Buch aufmerksam geworden zu sein, ist nicht ohne Ironie. Denn Leif kritisiert insbesondere die Rolle von Beratern im Bereich der öffentlichen Hand und der Politik. Weiterlesen

Kein Geld im Web2.0 aufgrund mangelnder Marktinnovation?

Ich behaupte, dass man als einzelner Anbieter von Informationen und Wissensarbeit ohne Investitionen, die die Möglichkeit eines durchschnittlichen Angestellten nicht überschreiten, im Internet bis heute in der Regel nicht ausreichend Geld verdienen kann, um hiervon zu leben. Dies liegt meines Erachtens aber nicht in der Natur der denkbaren Produkte oder Märkte begründet, sondern in dem Fehlen geeigneter Marktplätze, die dank der Minimierung der Transaktionskosten entsprechend funktionstüchtige Märkte überhaupt erst ermöglichen, die jedermann zugänglich sind und deren geringe Markteintrittsbarrieren jedermann mit geeigneter Qualifikation reale Einkommenschancen eröffnen. Deshalb frage ich, wer über die Entwicklung von Märkten und Marktplätzen für Informationen und Wissen im Internet und über die Lösung ihrer philosophischen und technischen Probleme nachdenkt und unter welchen Aspekten dieses Nachdenken betrachtet werden muss. Weiterlesen