Der Newsroom öffnet sich.

Aktive Medienkonsumenten holen sich künftig im Social Media Newsroom selbständig ihre Informationen.

Mit dieser These ist ein Artikel von Jürg Vollmer überschrieben, dem es im Kern um eine Modernisierung der Pressemitteilung im Sinne ihrer Information distribuierenden Aufgabe angesichts der Informationsflüsse geht, die sich durch das Internet und das „Web 2.0“ verändern. Nochmals konzentriert lernt man hier das kleine Einmaleins der klassischen Pressemitteilung. Darüber hinaus aber bietet der Artikel einen interessanten Einblick in das aktuelle Denken der PR-Branche, die das „Web 2.0“ zu nutzen, keineswegs aber zu gestalten versucht. Der Artikel ist aus der Perspektive des Senders gedacht, der wie gewohnt einen Empfänger konzipiert, der sich nur dadurch durch ein „früher“ unterscheidet, indem er nun größere Souveränität bei der Suche und Auswahl von Information besitzt. Interessant wird der Artikel vor allem da, wo er den Begriff des „Social Media Newsroom“ einführt und auf erste Praxisbeispiele verweist. Denn hier wird das Herz einer Redaktion, der „Newsroom“, begrifflich in den Verfügungsbereich der Nutzer gerückt, wobei die Sender von Pressemitteilungen in keiner Weise mehr gegenüber anderen möglichen Sendern privilegiert sind – etwa durch Akkreditierung. Leider führt der in dem Artikel erst im März 2009 gesetzte Link http://www.social-media-newsroom.ch/ bereits heute ins Leere. Weiterlesen

Warum man sich auf Gisela Schmalz‘ „Yes Economy“ einlassen kann.

In ihrem Buch „No Economy: Wie der Gratiswahn das Internet zerstört“ bricht Gisela Schmalz mit der Begeisterung für die Kostenlosigkeit von Gütern und Leistungen im Web. Ausführlich legt sie die Treiber des Status Quo dar und warnt davor, die Entwicklung des Internets als Raum neuer wirtschaftlicher Möglichkeiten zu verspielen. Ihre Kritik richtet sich einerseits gegen die Subvention digitaler Güter durch Staat, Stiftungen, Risikokapitalgeber und Werbekunden, andererseits gegen einen vermeintlichen Gratiswahn der Nutzer. Vor dem Hintergrund einer Analyse verschiedener ökononomischer Modelle plädiert sie für eine selbsttragende wirtschaftliche Entwicklung des Internets ohne Subventionen – für ein „Yes Economy“. Im folgenden resümiere ich ihre Kritik an die Adresse der Webunternehmer und Risikokapitalgeber, schlage jedoch eine mir sinnvoll erscheinende Relativierung der Kritik an den Nutzern auf der Grundlage der Theorie kollektiven Handelns vor. Zur Unterstützung des Plädoyers für nutzergetriebene Mikromärkte scheint mir zudem die Ergänzung angebracht, auf nutzerseitige Wertschöpfungsketten zu fokussieren. Weiterlesen

Journalisten sind auch nur User. Warum also nutzergenerierte Inhalte nur als kostenlos verfügbare Kollektivgüter betrachten?

Seit Jahren läuft eine begeisterte Diskussion, bei der dem Web aufgrund seiner gelungenen Öffnung für nutzergenerierte Inhalte als kostenloser Ressource sozialrevolutionäres Potential zugeschrieben wird. Häufig fällt das Stichwort „Web 2.0“. Die Begeisterung für Dienste und Informationen als kollektive Güter geht aber auch mit handfesten ökonomischen Interessen einher. Gerade Medienunternehmen sind an preiswerten Ressourcen interessiert. Zwar herrscht auch hier Begeisterung für neue Möglichkeiten der Teilhabe, doch beim Geld hört die Freundschaft plötzlich auf. Warum? Im folgenden Rezensionsessay gehe ich dieser Frage nach. Dreh- und Angelpunkt ist dabei  „User generated content“ (UCG), den Medienunternehmen als Erlösquelle zu schätzen lernen. Eine entsprechende Erörterung dieses Ansatzes findet sich in der Diplomarbeit von Philipp Sebastian Rogge, die im Juni 2007 als Arbeitspapier des Instituts für Rundfunkökonomie an der Universität zu Köln unter dem Titel „Nutzergenerierte Inhalte als Erlösquelle für Medienunternehmen[1] publiziert worden ist.  Ich versuche zu zeigen, inwiefern dieser Ansatz bestehende Marktstrukturen konserviert, das Nachdenken über mögliche Erlösquellen im Zusammenhang mit Informationsgütern auf Werbung reduziert und die Produktion von Informationen als entgeltlichem Wertschöpfungsprozess außer Acht gelassen wird. Enthusiasten, Sozialrevolutionäre und Medienwirte vereint dabei, dass  es an Ideen mangelt, wo und in welchen Kontexten Information Nutzen stiftet und ihr (pekuniärer) Wert ermittelt werden kann.

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Ökonomische Suboptimalität des Web 2.0

Warum werden im Internet Dienste und Informationen kostenlos für jedermann zur Verfügung gestellt? Unter welchen Bedingungen ist das überhaupt der Fall? Auf der Suche nach Antworten auf diese Fragen lohnt die Diskussion der Theorie kollektiven Handelns von Mancur Olson. Olsons Theorie zufolge kommt es nur dann zur kostenlosen Bereitstellung von Diensten und Informationen für jedermann, wenn der Nutzen der Beschaffung und Bereitstellung, den die Beschaffenden hiervon haben, die Kosten übersteigt, die diese hierfür allein zu tragen haben. Denn da es in der Natur des Gutes liegt, es nutzen zu können, sobald es verfügbar ist, ohne von der Nutzung ausgeschlossen werden zu können, werden Andere sich nicht an den Kosten seiner Beschaffung beteiligen. Weiterlesen