Warum man sich auf Gisela Schmalz‘ „Yes Economy“ einlassen kann.

In ihrem Buch „No Economy: Wie der Gratiswahn das Internet zerstört“ bricht Gisela Schmalz mit der Begeisterung für die Kostenlosigkeit von Gütern und Leistungen im Web. Ausführlich legt sie die Treiber des Status Quo dar und warnt davor, die Entwicklung des Internets als Raum neuer wirtschaftlicher Möglichkeiten zu verspielen. Ihre Kritik richtet sich einerseits gegen die Subvention digitaler Güter durch Staat, Stiftungen, Risikokapitalgeber und Werbekunden, andererseits gegen einen vermeintlichen Gratiswahn der Nutzer. Vor dem Hintergrund einer Analyse verschiedener ökononomischer Modelle plädiert sie für eine selbsttragende wirtschaftliche Entwicklung des Internets ohne Subventionen – für ein „Yes Economy“. Im folgenden resümiere ich ihre Kritik an die Adresse der Webunternehmer und Risikokapitalgeber, schlage jedoch eine mir sinnvoll erscheinende Relativierung der Kritik an den Nutzern auf der Grundlage der Theorie kollektiven Handelns vor. Zur Unterstützung des Plädoyers für nutzergetriebene Mikromärkte scheint mir zudem die Ergänzung angebracht, auf nutzerseitige Wertschöpfungsketten zu fokussieren. Weiterlesen

Journalisten sind auch nur User. Warum also nutzergenerierte Inhalte nur als kostenlos verfügbare Kollektivgüter betrachten?

Seit Jahren läuft eine begeisterte Diskussion, bei der dem Web aufgrund seiner gelungenen Öffnung für nutzergenerierte Inhalte als kostenloser Ressource sozialrevolutionäres Potential zugeschrieben wird. Häufig fällt das Stichwort „Web 2.0“. Die Begeisterung für Dienste und Informationen als kollektive Güter geht aber auch mit handfesten ökonomischen Interessen einher. Gerade Medienunternehmen sind an preiswerten Ressourcen interessiert. Zwar herrscht auch hier Begeisterung für neue Möglichkeiten der Teilhabe, doch beim Geld hört die Freundschaft plötzlich auf. Warum? Im folgenden Rezensionsessay gehe ich dieser Frage nach. Dreh- und Angelpunkt ist dabei  „User generated content“ (UCG), den Medienunternehmen als Erlösquelle zu schätzen lernen. Eine entsprechende Erörterung dieses Ansatzes findet sich in der Diplomarbeit von Philipp Sebastian Rogge, die im Juni 2007 als Arbeitspapier des Instituts für Rundfunkökonomie an der Universität zu Köln unter dem Titel „Nutzergenerierte Inhalte als Erlösquelle für Medienunternehmen[1] publiziert worden ist.  Ich versuche zu zeigen, inwiefern dieser Ansatz bestehende Marktstrukturen konserviert, das Nachdenken über mögliche Erlösquellen im Zusammenhang mit Informationsgütern auf Werbung reduziert und die Produktion von Informationen als entgeltlichem Wertschöpfungsprozess außer Acht gelassen wird. Enthusiasten, Sozialrevolutionäre und Medienwirte vereint dabei, dass  es an Ideen mangelt, wo und in welchen Kontexten Information Nutzen stiftet und ihr (pekuniärer) Wert ermittelt werden kann.

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Wozu Zeitung? Eine ratlose Elite auf der Suche.

Wozu Zeitung?“ titelt die Beilage der Süddeutschen Zeitung am 8.5.2009. Wieder einmal ist eine Elite ratlos: Diesmal die der so genannten „Presse“, also der werbefinanzierte Teil der Informationswirtschaft, deren Produkte sich an wenig differenzierte Massenpublika statt an Nischenpublika richten. Sie weiß nicht, wie sie ihr Geschäftsmodell, das namensgebend auf Druckerpressen und physischen Papierdistributionssytemen beruht, in eine Informationsgesellschaft hinüberretten soll, die sich durch das Internet verändert. Weiterlesen

Ökonomische Suboptimalität des Web 2.0

Warum werden im Internet Dienste und Informationen kostenlos für jedermann zur Verfügung gestellt? Unter welchen Bedingungen ist das überhaupt der Fall? Auf der Suche nach Antworten auf diese Fragen lohnt die Diskussion der Theorie kollektiven Handelns von Mancur Olson. Olsons Theorie zufolge kommt es nur dann zur kostenlosen Bereitstellung von Diensten und Informationen für jedermann, wenn der Nutzen der Beschaffung und Bereitstellung, den die Beschaffenden hiervon haben, die Kosten übersteigt, die diese hierfür allein zu tragen haben. Denn da es in der Natur des Gutes liegt, es nutzen zu können, sobald es verfügbar ist, ohne von der Nutzung ausgeschlossen werden zu können, werden Andere sich nicht an den Kosten seiner Beschaffung beteiligen. Weiterlesen

Freeware, Web 2.0 und andere: Öffentliche Güter oder Kollektivgüter?

Zur weiteren Analyse des Begriffs „Freeware“ (in Anlehnung an den Impuls Dills) mittels ökonomischer Theorien beziehungsweise zur Analyse des Phänomens kostenlos als öffentliche Güter oder Kollektivgüter zur Verfügung gestellter Leistungen oder Anwendungen, wie sie beispielsweise in Form von Software, Web 2.0-Portalen oder ähnlichem beobachtbar und erfahrbar sind, erscheint es mir sinnvoll zu klären, inwiefern es einen Unterschied zwischen „öffentlichen Gütern“ und „Kollektivgütern“ gibt. Weiterlesen

SZ thematisiert Effekt der Finanzkrise auf Web2.0-Unternehmen

Bezogen auf einen Kommentar von Alexander Dill eine interessante Fundsache.

„Von der breiten Öffentlichkeit unbemerkt hat sich in den vergangen Jahren eine neue Blase gebildet, kleiner zwar als die erste, aber nicht weniger spektakulär. Und dem Schlagwort Web2.0“ (SZ Nr.93, 23.04.2009, S.24)

Dill vermutete, vieles im Web2.0 ginge nun mit der Blase an den Finanzkrise baden. Die Süddeutsche Zeitung titelt heute  „Neue Seiten, alte Fehler“ und berichtet, dass Risikokapitalgeber kein Interesse mehr an Gründern hätten, die mit Begriffen wie „Web 2.0“ hantieren (Zitat Earlybird). Viele Web2.0-Gründungen verschwänden nun, da mit der Wirtschaftskrise eine Flaute im Internetwerbebudget begonnen habe und „große Investoren wie etwa Pensionsfonds an der Börse einiges verloren haben“, sodass nun weniger Geld in Wagniskapitalfonds fließe.

Web 2.0 wird in dem Artikel auf die Idee reduziert, die Nutzer für die Inhalte selbst sorgen zu lassen. Erfolgsbeispiel des Artikels ist ein ehemaliger Sächsischer Olympia-Athlet, dessen Plattform bereits zum Zeitpunkt der Finanzierung 3500 Nutzer gewinnen konnte und die sich als „modernes Sportmagazin“, nicht aber als Community und schon gar nicht als „kostenpflichtiger Premiumdienst“ verstehe. Paradoxerweise  aber soll die Haupteinnahmequelle Werbung sein. Bezogen auf Dills Kommentar ist interessant zu lesen, dass Google Youtube für 1,7 Milliarden $ gekauft, das Videoportal jedoch bislang keinen Gewinn erwirtschaftet haben soll. Microsoft sollen 1,6% von Facebook 240 Mio € Wert gewesen sein.

Kilian, Thomas; Hass, Bertold; Walsh, Gianfranco: Grundlagen des Web 2.0.

In: Hass, Berthold; Walsh, Gianfranco; Kilian, Thomas (Hg.): Web 2.0. Neue Perspektiven für Marketing und Medien. Berlin 2008 (Nr. 1470)

Die Autoren verfolgen das Ziel eines „gemeinsamen Verständnisses“ des Begriffs „Web 2.0“ in „Wirtschaft, Wissenschaft und Öffentlichkeit“. (Kilian u.a. 2008, S.4f) Sie gehen davon aus, dass Web 2.0 aufgrund des Stands der Technologie, der Akzeptanz und der Verbreitung bei den Nutzern ein „nachhaltiges Phänomen“ ist (Kilian u.a. 2008, S.19), dass in die Phase der Konsolidierung eintreten wird oder eingetreten ist und zur „Transformation ganzer Branchen“ führen wird (Kilian u.a. 2008, S.4). Weiterlesen

Auf den Spuren der Diskussion über Politik in der Blogosphäre

Die unten stehende Grafik ist eine Visualisierung miteinander vernetzter Internetseiten mit Hilfe des Programms Nestor. Ausgangspunkt ist das Weblog von Robert Dürhager, das mir vor einigen Tagen in einem Gespräch über die Wahrnehmung von Politik durch Digital Natives von Jana Hochberg empfohlen worden ist. Dürhager verweist auf die Seiten von Maika Büschenfeldt, die in Bremen an ihrer Promotion über E-Demokratie im Fachbereich Informatik schreibt. Sie experimentiert dort mit einer Plattform für „Blog Karnevals„. Als Beispiel verweist sie auf den von Raphael Raue alias Soeren Onez initiierten Blog Karneval vom 7. Juni 2007 zum Thema „Politikverdrossenheit“. Von den dort referenzierten 56 Beiträgen habe ich hier eine Auswahl getroffen.

Roggenkamp, Jan Dirk: Rechtliche Verantwortlichkeit im Social Web.

In: Zerfaß/Welker/Schmidt (Hg.): Kommunikation, Partizipation und Wirkungen im Social Web. Bd.1, Köln 2008, S.78-93 [1391]

Roggenkamp erläutert das „System der Zuweisung rechtlicher Verantwortlichkeit im Social Web“ (S.78), wobei er auf die Frage nach der Verantwortung des Betreibers einer Web2.0-Anwendung fokussiert, die es Nutzern ermöglicht, rechtswidrige oder die Rechte Dritter verletzende Inhalte zu veröffentlichen. Für einen Plattformbetreiber scheint dabei generell Vorsicht geboten, weil bereits der Betrieb einer Plattform, „über welche Dritte Inhalte verbreiten können […] ein adäquat kausaler Beitrag“ zur Verletzung eines Rechts ist, „weil es nicht ganz unwahrscheinlich ist, dass Dritte diese Verbreitungsmöglichkeit missbrauchen.“ (S.87) Die Betreiber haben Prüfungspflichten, wobei diese von der ökonomischen Durchführbarkeit und der hierdurch in Frage gestellten Möglichkeit des jeweiligen Geschäftsmodells relativiert werden. (siehe S.87f) Deshalb wird auch zwischen der nicht-profitorientierten und profitorientierten Angeboten unterschieden, weil die ökonomischen Möglichkeiten adäquater Prüfung differieren. Als Fazit schreibt Roggenkamp: „Erlangt der Plattformbetreiber Kenntnis von einer Rechtsverletzung, so ist er unverzüglich zum Handeln verpflichtet. Aber auch den in seinen Rechten Verletzten treffen Obliegenheiten. Er muss den Diensteanbieter in die Lage versetzen, die inkriminierte Information zu finden und die Rechtslage einzuschätzen.“ (S.91)

Kein Geld im Web2.0 aufgrund mangelnder Marktinnovation?

Ich behaupte, dass man als einzelner Anbieter von Informationen und Wissensarbeit ohne Investitionen, die die Möglichkeit eines durchschnittlichen Angestellten nicht überschreiten, im Internet bis heute in der Regel nicht ausreichend Geld verdienen kann, um hiervon zu leben. Dies liegt meines Erachtens aber nicht in der Natur der denkbaren Produkte oder Märkte begründet, sondern in dem Fehlen geeigneter Marktplätze, die dank der Minimierung der Transaktionskosten entsprechend funktionstüchtige Märkte überhaupt erst ermöglichen, die jedermann zugänglich sind und deren geringe Markteintrittsbarrieren jedermann mit geeigneter Qualifikation reale Einkommenschancen eröffnen. Deshalb frage ich, wer über die Entwicklung von Märkten und Marktplätzen für Informationen und Wissen im Internet und über die Lösung ihrer philosophischen und technischen Probleme nachdenkt und unter welchen Aspekten dieses Nachdenken betrachtet werden muss. Weiterlesen